Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963340
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Englische 
Architektur. 
war. Allein wir haben keinen Grund, eine Kenntniss dieser Vor- 
gänge bei unserem Meister vorauszusetzen und es ist viel wahr- 
scheinlicher, dass die bereits vorhandenen, specilisch-englischen 
Polygonbauten der Kapitelhäuser (von denen sogar das zu York 
ebenfalls eine hölzerne Wölbung hatte) ihn zu der Verptlanzung 
dieser Form in die Mitte der Kirche und in sehr viel grösseren 
Dimensionen reizten. So wie sich die Kirche jetzt darstellt, 
könnte man diese Kühnheit fast als eine tadelnswerthe Willkür 
betrachten, indem das schlanke Aufstreben des imposanten Rau- 
mes gegen die dunkelen, mit Balken gedeckten Gänge des roma- 
nischen Langhauses und QuerschiHes allzu stark contrastirt und 
durch das starke, hier zusammenströmende Licht dem weiter 
östlich gelegenen Chor etwas von der ihm gebührenden Geltung 
entzieht. Allein zur Zeit des Einsturzes und sogar bis zum Jahre 
1'769 befand sich der Chor gerade in diesem Mittehaume, so 
dass es recht eigentlich darauf ankam, ihm die höchste Auszeich- 
nung zu gewähren. Die Details sind reich und leicht, das Fenster- 
maasswerk in weichen, tliessenden Linien, die Gewölbdienste 
überaus schlank, die Kapitäle mit zierlichem Blattwerk ge- 
schmückt. Freilich ist nicht Alles dabei zu loben. Die aufstreben- 
den Gewölbdienste öffnen sich ungefähr am 'l'riforiengesimse des 
normannischen Baues zu breit ausladenden Kelehkapitälen, welche 
in grossem, stattlich bekröntem Tabernakel Bildwerk aus der 
Geschichte einer Localheiligen tragen, und hinter denen die 
Dienste dann gemüthlich ihren Weg nach oben fortsetzen. Etwas 
höher, neben den Giebelspitzen dieser Tabernakel , ist über dem 
Arcadenbogen ein winziges 'l'riforium mit drei geschweiften Bögen 
angebracht. Ganz sonderbar ist endlich, dass die Schildbögen des 
Fächergewölbes etwas höher liegen, als die Triumphbogen der 
Schiffe und als die Fensterbögen, und dass der dazwischen lie- 
gende Raum durch geschweiftes, nicht eben schönes Maasswerk 
gefüllt ist. Aber im Ganzen ist der Schmuck nicht überladen, 
und die Ausführung im Einzelnen so vortrefflich, dass man diese 
geringfügigen Missgriffe als Auswüchse derselben Originalität, 
welche die ganze Anlage hervorbrachte, in den Kauf nehmen kann. 
Die Aufrichtung des Mauerwerks am Octogon soll nur 
sechs, die Herstellung der gewaltigen und künstlichen Holzarbeit
        

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