Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963330
Das 
Octogon 
VOll 
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wölbe desselben einen schlanken Thurm gleicher Gestalt auf- 
steigen zu lassen. Die Möglichkeit einer solchen Anlage War 
ihm dadurch gegeben, dass die Kreuzarme nicht wie in vielen 
anderen englischen Kathedralen nur auf der Östlichen Seite, son- 
dern gleich wie Langhaus und Chor auf beiden Seiten Neben- 
schiffe hatten; er konnte daher die vier Pfeiler der Vierung (die 
ohnehin durch den Einsturz theils ihre Schwäche bewiesen, theils 
gelitten haben mochten] forträumen, die ihnen zunächst stehenden 
Pfeiler der acht aus den vier Enden nach der Mitte des Kreuzes 
zulaufenden Reihen verstärken, und hatte so die Endpunkte eines 
Achtecks erlangt, dessen vier grössere Seiten den Mittelschiifen 
der Lang- und Querarme, die vier kleineren aber den Diagonalen 
der quadraten Felder der Seitenschiife entsprachen. Ueber jenen 
vier grösseren Seiten wurden dann mächtige Bögen als Zugänge 
zu den Mittelschilfen gewölbt, über den vier kleineren aber 
Bögen von der Höhe der Schiffarcaden, Welche eine Wand und 
in derselben ein grosses viertheiliges Maasswerkfenster tragen, 
während in den acht Ecken schlanke Dienste sich zu einem kühn 
geschwungenen Fächergeivölbe entfalten, in dessen Mitte auf 
kleinerer achteckiger Oeffnung eine hellbeleuchtete Laterne auf- 
steigt. Zwar ist sowohl das Fächergeivölbe wie die Laterne nur 
von Holz, aber die Kühnheit einer solchen Anlage mit einer 
Spannung von '70 engl. Fuss nicht minder bewundernswerth, 
und jedenfalls der Gedanke, die Pfeiler-reihen abzubrechen und in 
der Mitte der schlichten und dunkeln normannischen Schiffe einen 
so imposanten, lichtreichen Raum zu schaffen , ein glänzender 
Beweis des Muthes und der Geistesfreiheit der damaligen engli- 
schen Architekten. In Frankreich und Deutschland war man von 
der hergebrachten Form der Vierung niemals abgegangen 9c), in 
Italien waren allerdings in zwei verschiedenen Domen polygone 
Mittelräume angelegt, das Sechseck des Domes zu Siena, wahr- 
scheinlich um diese Zeit schon überwölbt, und das schon von 
Arnolfo beabsichtigte Achteck des Domes zu Florenz, das zwar 
noch lange auf Brunelleschiis berühmte Kuppel warten musste, 
aber doch durch Begründimg der mächtigen Pfeiler angedeutet 
"Ü Von dem aehteckigen, aber selbstständigen und nicht mit einem Lang- 
hause verbundenen Kuppelbau des Karlshofes in Prag ist weiter unten die Rede. 
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