Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963306
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Englische 
Architektur. 
wiederholt, und man kann sich leicht vorstellen, welchen aben- 
teuerlichen Anblick diese verschiedenen, in der Luft schweben- 
den, gigantischen Kreise gewähren i). Dass die ganze Anord- 
nung schön, wahrhaft architektonisch und würdig sei, wird man 
nicht behaupten M), ob sie nothwendig und nicht ein überflüs- 
siger Aufwand gewesen, mag man bezweifeln, aber den Ruhm 
der Originalität und des technischen Geschickes wird man dem 
Architekten nicht versagen können. Eine vollständige Nachah- 
mung fand diese Neuerung nirgends, wohl aber wiederholt eine 
theilweise, indem man die Pfeiler der Vierung unter dem Thurme 
durch einen dazwischen gesprengten, aber flachen Spitzbogen 
mit horizontalem, von Zinnen bekröntem Gesims verband, dessen 
Zwickel durch Arcaden oder Maasswerk gefüllt sind. S0 findet 
es sich in der Kathedrale von Salisbury vom Ende des vierzehn- 
ten Jahrhunderts, dann etwas später in den Dorf kirchen von 
Finedon und Rushden (beide Nordhamptonshire), endlich vom 
Jahre 1495 in der Kathedrale von Canterbury fett?) , immer nicht 
auf allen vier Seiten der Vierung, sondern nur auf zwei, in Can- 
terbury aber noch mit dem Zusatze von vier kleineren ähnlichen 
Bögen, welche zur weiteren Stütze jener gefährdeten Pfeiler in 
den Seitenschißen angebracht sind. Die ganze Form ist hier also 
eine viel zahmere, aber doch noch immer auffallend genug, da sie 
an Thore oder Brücken oder allenfalls an Strebebögen im Innern 
erinnert. Dennoch sind diese Bögen in einem anderen Falle, wo 
es sich nicht einmal um die Verstärkung von Thurmpfeilern han- 
delte, in noch vermehrter Zahl angewendet. Es ist dies in der 
jetzigen Kathedrale von Bristol, welche in ihren Haupttheilen 
als damalige Abteikirche in der Zeit von 1306 bis 1332 gebaut 
ist und sich dadurch auszeichnet, dass sie die einzige englische 
Kirche mit gleichhohen Schiffen ist. Es wäre an sich nicht 
I] Vergl. die perspectivisehen Ansichten bei Britton a. a. O. pl. XXI, und 
bei Winkles Vol. I, mit dem geometrischen Aufriss bei Britton pl. XVI. 
i") Inzwischen ist es bemerkenswerth, dass die Engländer doch nur mit 
Anerkennung davon sprechen. Rickrnan (ed. 3, S. 301): „a Iine reversed arch" 
Britton a. a. O. S. 102: „the ingenuity and science of the architect", ohne 
daran einen Vorbehalt zu knüpfen. 
i") Vergl. Britton, Arch. Ant. V01. II, pi. XII. Winkles I. Rickman a- 
a. O. S. 273 und 279. Willis, Arch. hist. of Cant. S. 126.
        

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