Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963295
Strebewerke 
im 
Inneren. 
189 
mittel zu schwach erschien. Daraus entstanden denn sehr origi- 
nelle, für die englische Aulfassungsweise charakteristische Vor- 
richtungen. Das Aulfallendste dieser Art bietet die Kathedrale von 
Wells, deren frühenglisches Schiff bereits früher erwähnt ist 
(V. 260.), deren Mittelthurm aber erst jetzt, wahrscheinlich zwi- 
schen 1366 und 1388, höher hinaufgeführt wurde. Er ist zwar 
ohne Helm geblieben und erreicht nur die Höhe von etwa 160 
engl. Fuss, steigt aber hoch über das Dach der im Innern nur 66 
Fuss hohen Kirche hinaus und zwar mit beträchtlicher Stärke 
und Last. Es ist daher begreiflich, dass der Baumeister diese den 
bisherigen Pfeilern nicht anvertrauen Wollte. Statt sie indessen 
einfach im Anschluss an ihre Gliederung zu verstärken, wählte 
er dazu ein neues und phantastisches Mittel; er errichtete nämlich 
auf jeder Seite der Vierung zwischen den Pfeilern auf einer den- 
selben angefügten Verstärkung von etwa fünf Fuss Dicke einen 
kräftigen Bogen ohne Kapitäl und mit durchlaufender Gliede- 
rung, der fast auf halbe Gewölbhöhe steigt, legte dann aber 
auf seinen Scheitel einen zweiten umgekehrten Halbkreis- 
bogen, welcher die Pfeiler in der Höhe des Kapitäls der Gewölb- 
dienste berührt und so mit den in entsprechender Weise verstärk- 
ten oberen Quergurten der Vierung einen, auf der Spitze des un- 
teren Bogens ruhenden Kreis bildet. Die sphärischen Dreiecke, 
welche zwischen dem unteren und dem umgekehrten Bogen, 
neben dem Pfeiler entstehen, sind dann nicht ganz leer gelassen, 
sondern, wie es technisch nöthig war, solide gehalten, haben 
aber in ihrer Mitte eine kreisförmige Oeffnung zwischen klei- 
neren dreieckigen, blinden Feldern. Die Proiilirung dieser ver- 
schiedenen Theile ist ganz nach Art des Maasswerkes behandelt, 
so dass die stärksten und äusseren Theile der Bögen und Kreise- 
in einander übergehen, und in der That ist eigentlich das Ganze 
geradezu kolossales Maasswerk nach der Analogie der Fenster, 
und zwar, obgleich der Kreis die Hauptrolle spielt, fliessendes 
Maasswerk einfacherer Art, wo die Wiederholung und Umwen- 
dung der Bögen das leitende Motiv bildet. Dem östlichen Arme 
des Kreuzes ist, offenbar um den Hinblick zum Altare nicht zu 
unterbrechen, diese Vorrichtung erlassen; dagegen ist sie auf 
den drei anderen Seiten der Vierung in ganz gleicher Weise 

        

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