Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963283
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Englische 
Architektur. 
Unterbau viel ltöher als auf dem Continent, obgleich sie hier 
Wegen der grossen absoluten Höhe ihres Standpunktes und der 
Entfernung von dem untenstehenden Beschauer noch immer höher 
gehalten sind, als sie scheinen. In Strasburg ist die Spitze etwas 
mehr als ein Viertel, in Freiburg fast zwei Fünftel des gesamm- 
ten Unterbaues; in England dagegen zuweilen, z. B. in Lichtield, 
mehr als die Hälfte. Daher kommt es denn auch, dass die Py- 
ramide des Mittelthurms dieser Kathedrale grösser ist Wie die 
des Strasburger Münsters  133: 116 rheinl. Fuss), obgleich 
der ganze dortige Thurmbau (244 rheinl. Fuss) ein sehr winziges 
V erhältniss gegen diesen (438 rheinl. Fuss] einnimmt. Auch 
in der Ausschmückung sind die englischen 'l'hürme bei Weitem 
nicht so mannigfaltig wie die deutschen; der Helm ist niemals 
durchbrochen, meistens an den acht Eckleisten mit Krappen 
verziert, von horizontalen Maasswerkstreifen in grösserer oder 
geringerer Zahl durchzogen und innerhalb dieser Abtheilungen 
mit Fenstern ausgestattet. Die ganze Erscheinung ist daher eine 
sehr einfache und in dieser Einfachheit für die Stellung auf der 
Vierung des Kreuzes recht Wohl geeignet; denn hier wo der 
Thurm auf dem Dache des grossen Gebäudes steht, ist dadurch 
eine Abstufung vorhanden, welche der niedrige, viereckige 
Unterbau ganz angemessen vermittelt, während die Pyramide in 
ihrem einsamen, schlanken und steilen Aufsteigen dem Zusam- 
menstossen der vier Kreuzesarme und der langgestreckteil Ge- 
stalt des Ganzen entspricht. Anders aber auf der Facade, wo 
man den Thurm von unten auf und daher den Dualismus seiner 
beiden, nur äusserlich verbundenen Theile unverhüllt vor Augen 
hat, und dadurch beide, sowohl der unverjüngt aufsteigende 
Unterbau ungeachtet seiner mässigen Dimensionen , als auch die 
hohe, nie enden wollende Pyramide ungeachtet ihrer feinen Zu- 
spitzung, zu gross und schwerfällig erscheinen. 
Der Centralthurm erschien den Architekten dieser Epoche 
so sehr als die höchste Zierde der Kirchen und das Meisterwerk 
ihrer Kunst, dass sie ihn auch da mächtig und bedeutsam zu 
machen suchten, WO der untere Bau ohne besondere Sicherungs- 
Norwich und Salisbury sogar nur 10, in den deutschen Thürmen, z. B. in 
Freiburg, 15-16 Grad.
        

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