Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963273
Der 
Thurmbau. 
187 
von St. Mary in Oxford, mit Welchem wir denn auch alle bedeu- 
tenden Thurmspitzen Englands erschöpft haben. Ausserdem 
finden urir aber an anderen Kirchen, wo die Errichtung des Hel- 
mes nachher unterblieb, bedeutende Vorarbeiten der gegenwär- 
tigen Epoche, welche eine solche Absicht verrathen. Alle diese 
Thürme sind einander sehr ähnlich, und haben ein charakteristisch 
englisches Gepräge. Sie unterscheiden sich von denen des Con- 
tinents nicht blos durch ihre viel geringeren Dimensionen sowohl 
der Dicke als der Höhe, die schon durch die geringere Höhe der 
Kirchen selbst motivirt sind, sondern auch dadurch, dass sie nur 
aus zwei grossen Abtheilungen, nämlich aus einem viereckigen 
Unterbau und einem darauf gesetzten Helm bestehen, Während 
dort fast immer zwischen beide und als Uebergang aus dem 
Viereck in die Pyramide ein achteckiges, aber senkrechtes Stock- 
werk eingeschoben ist. In Frankreich hatte man die Nothwen- 
digkeit einer solchen Vermittelung schon frühe empfunden; in 
Deutschland wurde dies System gerade in dieser Epoche zur 
höchsten Feinheit ausgebildet. In England findet man davon 
kaum eine Spur; die achteckige Pyramide steht vielmehr ohne 
jedes Mittelglied auf dem viereckigen Unterbau. Zuweilen ist 
sogar, wie in N orWich und Lichfield, die Grundfläche der Pyra- 
mide um so viel kleiner als die Oberfläche des Thurmes, dass sie 
mit der Bekrönung desselben in keine Berührung kommt; in an- 
deren Fällen, in Salisbury, an dem einfachen aber edeln Thurm- 
bau von St. Mary in Oxford und an dem zierlichen, kleinen 
Thurme von Bloxham in Oxfordshire sind freilich die dem Viereck 
parallelen-Seiten des Achtecks nahe an die Balustrade gerückt, 
so dass die Ecklialen und die Giebelfenster der Pyramide gleich- 
sam einen Kranz bilden, aus dem diese aufsteigt. Aber weiter 
ging die Verschmelzung und Ueberleitung beider Theile nicht, 
und es scheint vielmehr, dass man gerade an dem starken Gegen- 
satze des schlanken Helms zu dem Unterbau Gefallen fand und 
dies Verhältniss möglichst betonte. Denn die Thurmpyramiden 
sind in England an sich, vermöge des Verhältnisses ihrer Höhe 
zu ihrer eigenen Grundfläche und mithin der Winkel ihrer Zu- 
spitzung bedeutend schlankerii), und im V erhältniss zu ihrem 
 Der Winkel der Spitze beträgt in Ghichester und Lichfield 12-13, in
        

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