Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963261
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England. 
nicht einmal so gross wie die darüber befindlichen Fenster; das 
Mittelportal ist zwar grösser, zweitheilig, mit einem Giebel ver- 
sehen, der über die Grundlinie des grossen Fensters hinaus- 
reicht, aber um so mehr wird es von diesem sehr viel breiteren, 
und mehr als zwei Mal so hohen Fenster erdrückt. Ueberhaupt 
sind die Fenster so gewaltig, dass neben ihnen die vielen dünnen 
Stäbe und schmalen Nischen nur schwächlich erscheinen können, 
so dass im Ganzen auch diese unstreitig schönste Faeade Eng- 
lands eigentlich nur beweist, wie wenig sich die hiesige Kunst 
für diese Aufgabe eignete. 
Freilich trägt dazu auch der Umstand bei, dass sich die 
Thürme nur mit Einem sehr hohen, unverjüngten Stockwerke 
über den flachen Giebel erheben und dann plötzlich mit einer Ba- 
lustrade und acht winzigen Fialen abschliessen, schwerlich dem 
Plane des ursprünglichen Meisters entsprechend, welcher, indem 
er nach continentaler Weise die Thürme mit der Facade ver- 
schmolz, sie gewiss auch durch einen hohen und schlanken Helm 
krönen wollte, und dazu dieses kräftige Stockwerk anlegte, wel- 
ches jetzt in seiner abgestumpften Gestalt seinen Zweck verfehlt 
und schwer auf den unteren Theilen lastet. 
Denn auch darin zeigen die Architekten des decorirten 
Styles eine Hinneigung zu dem Systeme des Continents, dass 
sie die Thürme nicht des Helmes entbehren lassen wollten. Der 
normannische Styl hatte sich mit kurzen, schweren, rechtwin- 
kelig abschliessenden Thürmen begnügt, der frühenglische nur 
in einzelnen Fällen wirkliche Thurmspitzen versucht, der per- 
pendiculare gab sie wieder auf, und alle bedeutenden Anlagen 
dieser Art gehören der gegenwärtigen Epoche an. So der 
schlanke Mittelthurm der Kathedrale von N orwich , welcher dem 
normannischen Unterbau nach 1295, wahrscheinlich aber in lang_ 
samer Arbeit aufgesetzt wurde, und der von Salisbury, der 
höchste und schönste Englands, auf welchen der Architekt des 
dreizehnten Jahrhunderts so wenig gerechnet hatte, dass der des 
vierzehnten besonderer Unterstützungsmittel bedurfte; so ferner der 
der Kathedrale von Chichester, welcher dem letztgenannten, wenn 
auch mit sehr viel geringerer Höhe nachgeahmt scheint, dann 
die drei schon erwähnten Thürme von Lichlield und endlich der
        

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