Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963222
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England. 
spitzen, das kokett gelockte Blattwerk der Kapitale, und beson- 
ders das Fäohergervölbe mit dem von reichgeschmückten Schluss- 
steinen dicht besetzten kräftigen Scheitelgurt, zweifelt man nicht 
auf englischem Boden zu sein. 
Der Chor endlich ist ein Werk aus dem letzten Viertel des 
vierzehnten Jahrhunderts, also aus der letzten Zeit des verzierten 
Styles und zwar kein sehr erfreuliches. Von dem Schiffe, dessen 
Fortsetzung er bildet, unterscheidet er sich in allen Theilen; die 
Pfeiler sind bedeutend niedriger und stärker, die Bögen gedrück- 
ter, das 'l'riforium ist zu schwachen Blendarcaden zusammenge- 
schmolzen, welche die Abtheilungen der Oberlichter wiederholen. 
Dies alles und die niedrige Haltung und flache Bedachung der 
Seitenschiße dient dazu, den Raum für gewaltige Fenster zu ge- 
winnen. Während im Schiffe jene bescheidenen sphärischen 
Dreiecke noch lange nicht die Höhe des 'l'rif0riums haben und 
mithin die drei Stockwerke sich in abnehmender Höhe überein- 
ander erheben, hat man hier dem Fenster eine, die Arcadenöff- 
nung übersteigende Breite, und mit Ilinzurechnung des gleichge- 
bildeten Triforiums der oberen Hälfte des Innern eine bedeutend 
grössere Höhe wie der unteren zu geben , ein Missverhältniss, 
welchesdurch das spröde und willkürliche Maasswerk in diesen 
fünftheiligen Fenstern noch auffallender wird. Kommt dann noch 
dazu, dass vor der 'l'riforienarcatur eine Balustrade in nicht minder 
sprödem Maasswerk mit einer hier sehr unpassenden Zinnenbe- 
krönung hinläuft, und im Gewölbe die ansteigenden Rippen 
schwach, die Scheitelrippen der Längen- und Breitenrichtung 
aber schwer und noch mit den schwersten Schlusssteinen bela- 
den, auch hier also die tragenden Glieder schwächer gebildet sind, 
als die getragenen, so sieht man, auf welche Irrwege die Meister 
dmch den Mangel einer festen Regel geriethen, und begreift, dass 
die, welche der Perpendicularstyl darbot, als eine Wohlthat er- 
scheinen konnte. 
Auch die Kathedrale von York, die fast allgemein als der 
'l'riumph englischer Gothik gilt, gehört grössteiltlneils dieser 
Epoche an. Nur die Krypta ist normannisch, das Kreuzschilf 
frühenglisch, das Schilf dagegen, wie eine noch erhaltene Inschrift 
bezeugt, 1291 angefangen und in vierzig Jahren , also bis 1331,
        

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