Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963218
Kathedrale 
VO ll 
Lichfield. 
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ecke, also eine Gestalt, bei der nicht einmal die Grundlinie eine 
gerade Linie ist, sondern das darunter hinlaufende Gesims als 
Bogen tangirt, und der überhaupt der senkrechte, den Fenster- 
pfosten entsprechende Theil fehlt, so dass drei Kreise mit einge- 
legten Dreipässen sie vollständig füllen, welche dann in den nach 
gewohnter Weise gestalteten Fenstern der Seitenschiffe über den 
Pfosten sich wiederholen und so die Uebereinstimmung beider 
Fensterreihen darthun. Es ist ein Luxus theils des Regelmäs- 
sigen, theils feiner Beziehungen. Nicht minder ist der Reich- 
thum der Gliederungen und Verzierungen bis zur Verschwen- 
dung getrieben. Die Pfeiler aus einer Menge von wechselnden, 
aber immer noch schwachen Diensten, die Bögen aus dünnen 
Rundstähen zusammengesetzt, die Kapitäle mit ihrem wie lo- 
ckiges Haar weich herabhäugendem Blattwerk, am 'l'riforium die 
grosse Zahl der Säulchen mit Blattkapitälen, und endlich der 
Blumenschmuck in den Kehlen der Archivolten, der am Trifo- 
rium zwei Mal und dann noch am Schildbogen vorkommt, Alles 
giebt zwar einen gcfälligen, aber keineswegs kirchlichem Ernste 
zusagenderl Schmuck. Dazu kommt dann noch die grosse Zahl 
von Charakterköpfen in dieser Ornamentatiorl; alle Archivolten 
ruhen darauf, in jedem Joche des Mittelschiffes sind drei, zwei 
am Scheidbogeu, einer am 'l'rif'orium, in jedem des Seitenschiffes 
an den unter den Fenstern herlaufenden Arcaden sechs, im 
Ganzen mehr als hundert und zwanzig, zum 'l'heil sich wieder- 
holend , gewiss ohne symbolische Bedeutung, aber mit sicherem 
Meissel leicht, lebendig, charakteristisch ausgeführt. 
Einfacher ist die Ladykapelle, für deren Vollendung ihr 
Stifter im Jahre 1321 ein Legat hinterliess. Einschiflig, mit drei 
Seiten des Achtecks geschlossen, von schlanken dreitheiligen 
Fenstern, mit sehr regelmässigem Maasswerk beleuchtet, erin- 
nert sie an deutsche Bauten ü), und erst, wenn man das Einzelne 
ansieht, die Arcaden unter den Fenstern mit ihren wie Schwa- 
nenhälse weich aus der Wandfläche sich hervorbiegenden Bogen- 
m) Die schönen Glasgexnälde, die man hier sieht, stammen wirklich aus 
Deutschland, nämlich aus dem Nonnenkloster Herkenrath am Niederrhein. Sie 
tragen die Jahreszahlen 1532 und 1539 und sind erst 1803 durch Kauf nach 
England gekommen.
        

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