Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963157
Gewölb formen. 
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stern- oder netzartigen Figuren gestaltet, bis man darüber die 
statische und ästhetische Bedeutung der Diagonalrippen ganz aus 
dem Auge verlor und sich gewohnte, jene Figuren wie decorative 
Muster zu betrachten, welche dann durch die sich rechtwinkelig 
schneidenden Scheitelrippen in vier einander entsprechende Theile 
gesondert und auf eine übersichtliche Ordnung reducirt wurden. 
Es kam endlich dahin, dass alle von den Pfeilern aufsteigenden 
Rippen in die eine longitudinale Scheitelrippe mündeten, welche 
nun vermöge der reichgeschmückten und dicht aneinander gerei- 
heten Schlusssteine immer gewichtiger und bedeutender wurde, 
so dass das ganze Gewölbe nur zu ihr anzustreben schien und 
in der That aus einem Kreuzgewölbe mehr und mehr zu einem 
spitzen Tonnengcwölbe mit einschneidenden Stichkappen über 
den Fenstern wurde , und also statt des reichen pulsirenden Le- 
bens der älteren Wölbung eine bei aller Menge der Rippen sehr 
viel einfachere Gestalt annahm. Es ist richtig, dass diese ganze 
Umgestaltung des Gewölbes auch mit technischen Zwecken zu- 
sammenhing und mit Kenntniss und Geschick durchgeführt 
wurde, aber das treibende Princip war dabei doch immer, den 
Schein grösseren Reichthums durch vermehrte Details und doch 
zugleich eine übersichtliche Einheit und eine leichtere Herstellung 
durch ihre vereinfachte und gleichförmige Behandlung zu er- 
langen. Während die Bedeutung und Schönheit der gothischen 
Architektur ursprünglich auf der offen zu Tage liegenden kräf- 
tigen Function ihrer einzelnen Glieder beruhete, erschien sie in 
dieser englischen Auffassung mehr als eine elegante Deeoration 
einfacher architektonischer Massen. 
Diese uniforme Behandlung, obgleich sie an einzelnen Stellen 
schon früher eintrat, war indessen erst das Ende des decorirten 
Styles, gewissermassen das Absterben jener geistreichen Leben- 
digkeit, Welche das Wesen dieses Styles ausmacht, und die wir 
besser als durch abstracte Schilderung durch die nähere Betrach- 
tung seiner ausgezeichnetestcn VVerke kennen lernen. 
Unter diesen nenne ich zuerst die Kathedrale von ExeteHF), 
 Da ein näheres Eingehen auf die Einzelheiten dieser Gebäude zum 
Verständniss dieser Epoche unerlässlich ist, die Oekonomie meines Buches aber 
nicht die Beifügung so vieler Zeichnungen gestattet, ist es dringend wün-
        

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