Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963114
Fenstermaasswerk. 
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Curven ein grosses horizontal gelegtes Oval enthältit). Im All- 
gemeinen unterscheidet sich diese Art des englischen Maass- 
werks von dem verwandten französischen wie gesagt dadurch, 
dass die Schweifungen einfacher und regelmässiger sind und 
sich mehr an das Gesetz der Wellenlinie anschliessen; man hat 
sie daher auch nicht wie dort mit der züngelnden Flamme, son- 
dem mit dem herabfliessenden Wasser verglichen, das Maass- 
werk nicht flammend (flamboyant), sondern fliessend (flowing) 
genannt. Zuweilen macht sich darin aber auch der Gedanke an 
vegetabilisches Aufwachsen sehr bemerklich. Selbst in jenem 
Kreisfenster der Kathedrale von Lincoln erinnern die vorsprin- 
genden Spitzen der Drei- und Vierblätter an Baumgestrüpp, und 
noch deutlicher ist dies an den Schalllöchern des Mittelthurms 
derselben Kathedrale, wo die gewaltigen Pfosten wirklich mit 
kleinen Aesten versehen sind, oder an dem grossen Fenster der 
Kirche von Dorchester, wo freilich die augenscheinliche Nach- 
ahmung eines Baumes den bestimmten Zweck hat, den Stamm- 
baum Jesse darzustellen, wie die im Maasswerk angebrachten 
Figürchen beweisen im). Neben diesen phantastischen Spielen 
äusserte sich aber an anderen Stellen das Bedürfniss nach stren- 
geren Formen, welche jenem auflösenden Fliessen widerstrebten 
und einen Gegensatz gegen die vorherrschenden Weichlichen 
Curven bildeten. Zunächst benutzte man dazu den beliebten und 
nie ganz vergessenen Lancetbogen, den wir schon in jenen 
grossen Fenstern zwischen den herz- und blattförmigen Mustern 
oder auch (wie an dem schlanken siebentheiligen Ostfenster der 
Kathedrale von Ripon und an den Fenstern der Stephanskapelle. 
von Westminster) neben geometrischem Maasswerk linden, den: 
man aber auch häufig als vorherrschendes Motiv brauchte, so. 
dass die daneben vorkommenden Steinrippeu deutlich nur zur 
Verbindung seiner Schenkel dienten. Der Lancetbogen hatte 
darin eine gewisse Berechtigung, dass er, indem er mit einem 
a) Das Rundfenster von Lincoln bei Britton, Archit. Axitiqu. V, pI. 59) 
und pag. 238, das von York in s. Cath. Ant. Vol. I, die übrigen Kathedral- 
fenster nur bei Winkles, V01. II und III, da. Britton diese Kathedralen nicht 
bearbeitet hat. 
 Vergl. beide Fenster bei Britton, Arch. Antiqu. V01. V, pl. 60-62.
        

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