Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963099
Fenstermaasswerk. 
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dem lichtbringenden Fenster so gut entsprechende Symbolik der 
Form, scheint dem englischen Sinne nicht recht aufgegangen zu 
sein. Er verlangte theils eine stärkere Betonung der rein me- 
chanisehen Aufgabe des Tragens, theils ein freieres Phantasie- 
spiel und grössere Abwechselungä). Es kam dazu, dass die 
feine Prolilirung des Stabwerks, welche nöthig ist, um jenen 
Organismus wirklich zu beleben, der englischen Gewohnheit 
nicht entsprach, und dass man bei der immer zunehmenden 
Grösse der kolossalen Fenster der Ost- und Westwand ein dich- 
teres und fester verbundenes Maasswerk für nöthig hielt. Man 
suchte daher bald nach anderen Formen. Zum Theil geschah 
dies in ähnlicher Weise wie in Deutschland, indem man statt der 
Kreise Drei- oder Vierblätter anwendete, jedoch so dass man die 
mittleren Arcaden fortliess und dieselbe Figur, Welche in den 
Raum der unteren Arcaden passte, bis zur Spitze in mehreren 
abnehmenden Reihen wiederholte, so dass statt des anregenden 
XVechsels verschiedener sich ergänzender Formen ein teppich- 
artiges Muster entstand. Zum Theil aber schlug man einen 
ähnlichen Weg ein wie in dem französischen Flamboyant, nur 
dass man Weniger kühne Schweifungen und lieber solche Formen 
brauchte, welche die Verticallinieix deutlicher durchfühlen lassen 
und häufig nur in dem Wechsel der Expansion und Contraction 
des senkrechten Pfostens, also in einem Netz ovaler Figuren be- 
WT], stehen. Bei grösseren Fen- 
 stern, namentlich bei den ko- 
 lossalen der Schlusswände, 
i-wlgyf Üw i erschien diese Wiederholun 
 derselben Figur dann doch zä 
   eintönig. Man erlaubte sich 
 daher freiere Schweiflmgen, 
   l l  suchte aber durch einzelne 
Charlcton Storethorne. stärkere Stäbe eine auch in 
m) Noch Fergusson (Handbook, V01. II.) findet das geometrische Maass- 
werk zwar regelrecht, aber ungeschickt, weil die kleinen Dreiecke zwischen 
den Kreisen und Spitzbögen nicht zu vermeiden seien und weil es der Phan- 
tasie keinen Spielraum lasse. Das tliessende Maasswerk erscheint ihm das 
schönste, das perpendiculare das eonstructiveste.
        

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