Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963041
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England. 
Style, der bis dahin herrschte, folgte bald nach 1300 ein anderer, 
den die englischen Archäologen den verzierten (decorated) 
nennen, der aber schon um 1370 wieder einem anderen, dem so- 
genannten Perpendicularstyl, Wich. Einige brittische Schrift- 
steller nehmen sogar eine noch grössere Zahl von Stylverände- 
rungen an ü) und sind dabei in sofern im Rechte, als der soge- 
nannte verzierte Styl eine grosse Mannigfaltigkeit von Formen 
umfasst, welche sich allenfalls sondern lassen. Um diese Ver- 
änderlichkeit bei einer so conservativen Nation richtig zu Wür- 
digen, muss man vor Allem ins Auge fassen, dass es sich hier 
überall nicht um eine Aenderung der Construction oder der An- 
ordnung, sondern nur um decorativeil Ausdruck handelt. Alle 
diese Style sind wesentlich englische, die Eigenthümlichkeiten, 
welche den frühenglischen Styl von den contirlentalen Systemen 
mlterschieden , blieben von diesem Wechsel unberührt. Die 
grosse Länge der Kirche bei mässiger Breite und Höhe, der 
rechtwinkelige Chorschluss, die Betonung des Centralthurlnes 
und die geringe Bedeutung der Facade, die Niedrigkeit der Por- 
tale bei gewaltiger Ausdehnung der darüber angebrachten Fen- 
ster, die Häufung der Gewölbrippen und die geringe Bedeutung 
des Strebesystems, endlich überhaupt die selbstständige Behand- 
lung des Decorativen , alle diese Eigenheiten finden sich auf allen 
Stufen der englischen Gothik Wieder. Auch in Beziehung auf die 
Durchführung des Verticalprincips trat keine Wesentliche Aen- 
derung ein; der Gefahr, durch Uebertreibung desselben, durch 
ein Uebermaass logischer Consequenz zu sündigen, waren die 
englischen Architekten nicht ausgesetzt. Sie hatten mit prakti- 
1') So besonders der scharfsinnige Edmund Sharpe (The seven periods of 
english Architecture, London 1851], indem er ausser den drei älteren Stylen, 
dem sächsischen, normannischen und Uehergangsstyl, vier Perioden gothi- 
sehen Styles annimmt, nämlich 1) den Lancetstyl 1190-1245, 2) den geo- 
metrischen 1245-1315, 3] den bogenlinigen (curvilinear) und 4) den gerad- 
linigen (rectilinear), diesen von 1370 an. Er giebt also dem "verzierten" 
Style eine Unterabtheilung. Indessen gründet er diese nur auf die Formen des 
Maasswerks, welche auf die übrigen Theile des Baues keinen so durchgreifen- 
den Eintluss ausüben, um ihnen eine völlige Stylveränderung zuzuschreiben, 
und die auch keineswegs in so scharfer chronologischer Begränzung nach ein- 
ander folgen, wie er annimmt.
        

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