Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-963010
Rathhäuser. 
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Fuss Höhe gewachsen ist, welcher in den Formen des reichen 
gothischen Styls nicht ohne Aehnlichkeit mit dem Thurme der 
Kathedrale von Antwerpen, aber in edlerer Form und mit einfach 
pyramidalem Helm aufsteigt, unstreitig der schönste 'l'hurm in 
Belgien. Auch ist seine Vollendung bedeutend früher erfolgt, als. 
bei jenem, angeblich schon im Jahre 1455. Alle anderen belgi- 
schen Rathhäuser gehören schon der folgenden Epoche, und mag 
daher nur das noch an die unsere gränzende von Loewen 
(1448 bis 1463) hier erwähnt werden, weil es in seiner berühm- 
ten und glänzenden, aber freilich schon allzu üppig geschmückten 
Facade die Grundgedanken des Rathhauses von Brügge aufs 
Deutlichste zeigt, welche denn auch in den späteren, namentlich 
in dem nicht minder gerühmten, erst dem sechszehnten Jahrhun- 
dert angehörigen von Audenaerde noch immer nachklingen. 
Auch die anderen bürgerlichen Gebäude, welche noch jetzt 
die frühe Opulenz der belgischen Städte bezeugen, die Schlacht- 
und Gildehäuser, die palastartigen Sitze der Hanse und anderer 
fremden I-Iandelsgesellschaften, wie sie in Brügge und später in 
Antwerpen errichtet wurden, stammen meistens aus dem fünf- 
zehnten und sechszehnten Jahrhundert und bedürfen hier nicht 
specieller Erwähnung. Wohl aber verdient es Beachtung, dass 
die weltliche Architektur des Mittelalters in diesen Ländern gegen 
die kirchliche nicht in dem Grade zurücksteht, wie in allen übri- 
gen. So lange der Zeitgeist nur für kirchliche Kunst empfäng- 
lich war, hatten die Niederlande nur einen geringen Antheil an 
dem allgemeinen, Wetteifernden Bestreben genommen und ihre 
Kirchen in einer schweren, ungefälligen, burgartigen Gestalt er- 
richtet, jetzt aber, wo die Architektur überall mehr einen weltli- 
chen Character annimmt, wird auch hier der Kunsttrieb geschäf- 
tiger und reger; auch die Kirchen nehmen nun feinere, in der That 
aber auch sehr weltliche Formen an und neben ihnen entstehen 
sofort bürgerliche Bauten, welche mit ihnen im Reichthum wett- 
eifern und sie übertreffen. Die Zeit für das praktisch gestimmte 
Volk dieser Gegend war gekommen.
        

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