Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962990
Rathhäuser. 
159 
Thurmes, in den Hallen oder selbst unter freiem Himmel und nur 
bei ungünstigem Wetter in hölzernen Verschlägen getagt; jetzt 
aber beim YVachsen sowohl des Gefühls für Anstand und Be- 
quemlichkeit, als des städtischen Reichthums, hielt man dies für 
unwürdig und errichtete eigene Gebäude für diese und andere da- 
mit verbundene Zwecke, welche dann, da sie eine friedliche und 
höhere Bedeutung hatten, auch zu Ehren der Stadt reichere For- 
men erhalten mussten. Die Reihe dieser Prachtgebämle eröffnete, 
soviel wir urtheilen können, das Stadthaus von Brügge, zu wel- 
chem der Graf von Flandern im Jahre 1377 den Grundstein legte, 
und das auch wirklich das Gepräge einer neuen Erfindung trägt, 
und anderen ähnlichen Bauten zum V orbilde oder Ausgangspunkte 
diente. Man erkennt deutlich, dass der unbekannte Meister die 
Elemente des würdevollen Schmuckes, dessen er bedurfte, aus der 
kirchlichen Architektur entlehnt und mit dem Charakter des Bür- 
gerlichen, den er festhält, harmonisch zu verbinden strebt. An den 
deutschen Rathhäuserxi dieser Epoche linden wir meistens, dass 
die Architekten die Form des schmalen städtischen Giebelhauses 
zum Grunde legen und daher bei der erforderlichen grösseren 
Breite mehrere solche Giebel aneinander reihen zu müssen glaub- 
ten. Der belgische Meister, der freilich den X70rzug hatte, dass 
die Baustelle nicht in der Reihe bürgerlicher Wohnhäuser , son- 
dern an einem kleinen Platze im Zusammenhange mit anderen 
öffentlichen Bauten lag, verhielt sich freier, indem er die Dach- 
schräge, welche an dieser Hauptseite, als der breiteren, entstand, 
unverhüllt liess, sie aber durch eine Balustrade an ihrem Fasse, 
eine Bekrönung auf ihrem First und durch verzierte, im rhyth- 
mischen VVechsel angebrachte Dachluken belebte, und ihr durch 
drei Thürmchen, zwei auf den Ecken und einer in der Mitte, den 
selbstständigen Charakter einer Facade gab. Indessen glaubte 
auch er noch den Gedanken und die schlanke Form des Bürger- 
hauses andeuten zu müssen, indem er dem Gebäude unterhalb der 
Balustrade die Gestalt zweier, durch jenes Mittelthürmehen ge- 
trennten und verbundenen Häuser, jedes mit seiner Eingangsthiir 
und drei Fenstern, gab, nur dass dies bei dem Mangel der Giebel 
blos eine leise Andeutung bleibt. Von den Fenstern der beiden 
Stockwerke seines Gebäudes bildete er die unteren viereckig, die
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.