Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962989
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Belgische 
Stadtbauten. 
soll in die Spätzeit des dreizehnten Jahrhunderts fallen; die Er- 
höhung des Thurmes durch das aehteckige Stockwerk und die 
Ausbildung mancher Details wird zu den Veränderungen gehö- 
ren, welche man nach 1364 vernahm. 
Der Halle von Brügge giebt der Thurm ihre Bedeutung, die 
von Ypern (1304 vollendet, aber angeblich schon 1200 begon- 
nen und daher gewöhnlich als die älteste genannt) trägt, obgleich 
auch mit dem Belfried verbunden, mehr das Gepräge ihrer ge- 
werblichen Bestimmung. Sie hat drei Stockwerke; unten die 
Kaufhalle selbst mit aneinandergereiheten viereckig geschlossenen 
Oeffnungerl, dann zwei Reihen eben so enggestellter zweitheiliger 
spitzbogiger Fenster, die unteren klein, die oberen sehr schlank, 
so dass sich ein rhythmisches Verhältniss zwischen diesen drei 
grossen Reihen bildet, welche völlig ununterbrochen sich über die 
gewaltige Facade von 400 Fuss Länge erstrecken und durch die 
Wiederholung ihrer Oeffnungen eine mächtige Wirkung machen. 
Dagegen ist der Thurm, obgleich an sich von edler Form, weni- 
ger wirksam, weil ihm nicht nur die Höhe und die charakte- 
ristische Mächtigkeit des 'l'hurmes von Brügge, sondern auch 
selbst die organische Verbindung mit den Hallen fehlt, deren 
Fensterreihen sich auch unter ihm ununterbrochen hinziehen und 
auf deren Gesimse er ohne alle V ermittelung aufgesetzt istti). 
In den anderen Städten kam es nicht zu der Verbindung von 
Thurm und Halle und sind solche Thürme noch in Gent, Lierre, 
Nieuport, Alost u. a. , Hallen aus dieser Epoche in Löwen, 
Mecheln und Gent erhalten, alle mehr oder Weniger interessant, 
aber doch nicht bedeutend genug, um hier näher auf sie ein- 
zugehen. 
Zu diesen Arten städtischer Gebäude, bei denen der monu- 
mentale Ausdruck nur ungesucht aus ihrer Bestimmung hervor- 
ging, kam dann im Laufe dieser Epoche eine andere, bei der es 
gleich von vorn herein auf Schmuck abgesehen war und in der 
sich die Prachtliebe dieser Communen aufs Glänzendste offen- 
barte, nämlich die eigentlichen Stadt- oder Rathhäuser. Bis- 
her hatten die städtischen Obrigkeiten in den Sälen des grossen 
m) Abbildungen bei Chapuy moy. age monum. nro. 199, und danach bei 
Kugler G. d. B. III, 420 und Kunstgesch. II, 338.
        

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