Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962941
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Niederländische 
Architektur. 
stehen an anderen Stellen nackt und roh, die Strebebögen fehlen, 
die Facade ist unvollendet, und der eine Thurm, schon an sich 
nicht glücklich durchgeführt, hat im sechszehnten Jahrhundert 
einen sehr unerfreulichen Abschluss erhalten. 
Einige Jahrzehnte später wurde die dritte grosse brabanti- 
sche Kathedrale, der Dom zu Löwen, nach einem Brande von 
1373 begonnen und insoweit gefördert, dass man schon 1433 
Musse hatte, dem Chor die entbehrliche Zierde eines prunkenden 
Tabernakels zu geben, der mit ähnlichen deutschen Kunststücken 
wetteifert. Die Anlage ist einfacher als die des Antwerpener 
Domes, nur dreischiftig und nach alter Weise mit Pfeilerab- 
Ständen, Welche der Breite der Seitenschiffe und der halben des 
Mittelschilfes gleich kommen, auch ist die Höhe Verhältniss- 
mässig grösser und die ganze Haltung strenger und kirchlicher. 
Die Bündelpfeiler sind zwar wie dort aus einzelnen Stäben zu- 
sammengesetzt und hier ganz ohne Kapitäl, aber sie sind kräf- 
tiger gegliedert, so dass sich der mittlere, sämmtliche Gewölb- 
rippen tragende Dienst halbsäulenartig gestaltet. Auch das 
Stabwerk der Wände mit der maasswerkartigen Verflechtung 
unter der Balustrade des Triforiums ist ähnlich wie dort, aber 
durchweg strenger. Man sieht dass der Meister jenen Bau vor 
Augen gehabt, aber den Ausdruck des Weichen und Weltlichen 
zu vermeiden gesucht hat. Das Aeussere ist zwar, bis auf die 
wie schon erwähnt unvollendete Facade, fertiger wie in Ant- 
werpen, aber nicht erfreulich, sondern plump und reizlos. 
Ganz ähnlich in Verhältnissen und Anordnung des Inneren 
und selbst des Aeusseren ist endlich die Kathedrale St. Wal- 
trudis zu Mons (Bergen) im Hennegau, sie macht selbst ver- 
möge der dunkeln Farbe des Steins, in dem sie gebaut ist, einen 
noch ernsteren Eindruck als der Dom zu Löwen, obgleich die 
Details zum Theil reicher sind als dort. Ueber die Zeit des 
Baues weiss man nur, dass er im Jahre 1450 im Gange war. 
Endlich erhielt auch noch der Dom zu Ypern, St. Martin, 
der in der vorigen Epoche in sehr ernstem und würdigem Styl 
erbaut warst), in dieser die glänzende, von keiner andern belgi- 
schen Kirche übertroffene äussere Ausstattung, die leicht ge- 
"Ü Schayes III, 59 und 157. Niederl. Briefe S. 420.
        

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