Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962932
Kathedrale 
VOIl 
Antwerpen. 
153 
Sechstel der Mittelschiffbreite, und diese Stellung, welche bei. 
dem Hinblicke auf den Hauptaltar, also im Sinne der Achse, ein 
weniger belebtes Bild giebt wie die Perspective der französischen 
Kathedralen, lud offenbar dazu ein, die Durchblicke um so anzie- 
hender zu machen. Dies hat denn nun der Meister in glück- 
lichster Weise erreicht, indem diese dreifachen Nebenräume mit 
ihren doppelten Arcadenreihen schon im Sinne der Breitenachse 
und noch mehr bei diagonaler Stellung ein reiches stets Wech- 
selndes Bild geben, dessen Reiz durch die verschiedenen Breiten 
der Schiffe, die geringere und abnehmende der beiden ersten, 
mehr beschatteten, die grössere des hellbeleuchteten dritten Sei- 
tenschiifes unendlich gesteigert wird. Dieser Wirkung ent- 
Spricht denn auch die Bildung der Pfeiler als Rippenbündel aber 
in Weichster Form, schlank, nur aus feinen Stäben bestehend, 
ohne bedeutsame, schattende Unterscheidung der wichtigeren 
Dienste, nur an dem vertretenden Gewölbträger mit leichtem 
Kapitäl, sonst ohne Weiteres in die Bogengliederung sich ver- 
laufend. Auch die Wände sind durchweg mit Stabwerk und 
Blendarcaden bedeckt, die sich zu lllaasswerk verflechten und 
der Balustrade sich anschliessen, die unter den Weit geöffneten 
Oberlichtern den Umgang bildet. Alles ist mithin belebt, aber 
auch ohne starke Gegensätze, und das Auge wird auf allen Punk- 
ten von immer neuen und immer ähnlichen Bildern sehmeichelnd 
ergötzt. Wir dürfen dabei freilich nicht an die ächte strenge 
Schönheit der älteren Münster denken; die hier erreichte Wir- 
kung ist mehr malerisch als architektonisch, mehr weltlich als 
kirchlich, aber sie verdient in ihrer Eigenthümlichkeit als eine 
ausgezeichnete Leistung dieses späteren Styls anerkannt zu 
werdenii). Das Aeussere entspricht dieser Schönheit des Inneren 
sehr schlecht; die Mauern haben nur an den Kreuzfacadeil das 
reiche Stabwerk, auf das sie berechnet waren, erhalten, und 
m) Vßrgl. in meinem Erstlingswerke (Niederl. Br. S. 206) die mit grosser 
Begeisterung bei noch sehr unvollkommener Kenntniss der gothischen Archi- 
tektur niedergeschriebene Schilderung. Kleinere architektonische oder per- 
spectivische Zeichnungen des Inneren sind theils von Wiebeking Taf. 117 und 
120, und nach ihm bei Kugler Baukunst III, 415, theils von Schayes III, 199 
publieirt, geben aber freilich keine Vorstellung. Ansicht der Facade bei 
Chapuy Inoyen age nion. nro. 139.
        

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