Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962880
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Niederländische 
Architektur. 
Inzwischen war nun schon der Ilolländische Typus der Kir- 
chen mit überragendem Mittelschiff völlig ausgebildet, dessen 
vollständigstes und schönstes Exemplar, die Liebfrauenkirche zu 
Dortrecht, wahrscheinlich im Anfange des vierzehnten Jahr- 
hunderts begonnen i?) , jetzt eben mit ihren schlanken Rund- 
säulen und darauf stehenden Gewölbdiensten, mit Umgang und 
Kapellenkranz, steinernen Gewölben und sogar mit ganz entwi- 
ckeltem Strebewerk sehr stattlich aufstieg. Auf die anderen un- 
vollständiger und meist mit hölzernen Gewölben ausgeführten 
holländischen Kirchen brauche ich nach dem oben Gesagten nicht 
weiter einzugehen, sondern verweile auf dem Wege zu den 
westlichen Provinzen nur in N ordbrabarlt bei den zwei höchst- 
bedeutenden Kirchen von Breda und Herzogenbusch. Die 
Liebfrauenkirche zu Breda erhielt im Jahre 1410 die Weihe des 
Chors, der aber damals einfach mit dem halben Zehneck schloss 
und erst später mit einem Umgange versehen wurde, in welchem 
man noch die Strebepfeiler und die vormaligen Fensterötiiiungen 
erkennt; das Langhaus im) mit Rundsäulen, Gewölbdiensten ohne 
Kapitäle, reichem, der Fenstertheilung entsprechendem Triforium 
und Hammendem Maasswerk gehört ganz dem fünfzehnten Jahr- 
hundert an, am Thurme wurde 1468 gebaut und das Aeussere 
des Chorumganges hat sogar Renaissanceformeil. Aber das 
Ganze erscheint doch ungeachtet dieser Baugeschichte sehr har- 
monisch, gleicht in seinen Formen der Kirche von Dortrecht und 
ist nicht minder edel und rein, wohl aber bedeutend reicher als 
diese Noch viel reicher, besonders in der äusseren Er- 
scheinung alle anderen Kirchen der gesammten Niederlande über- 
treffend , ist der zweite Prachtbau dieser Provinz, die St. Jo- 
hanniskirche zu Herzogenbusch. Sie ist im französischen 
s] Im Organ f. christl. K. a. a. O. S. 182 wird das Jahr 1339, aber ohne 
Quelle als Einweihungsjahr, muthmasslich nur des Chores, angegeben. Eyck 
a. a. O. S. 114 kennt es nicht. 
H] Vergl. die Abbildung S. 97. 
 Vergl. Eyck a. a. O. S. 111, und im Organ a. a. O. S. 195, die nähere 
Beschreibung und Zeichnung. Eigenthümlich ist, dass die Kapellen des Lang- 
hauses mit der angränzenden Abtheilung des Seitenschifes ein gemeinsames, 
quer-gelegtes Dach und zwischen den Strebepfeilern reich verzierte Giebel haben.
        

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