Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962866
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Niederländische 
Architektur. 
Kirchen vollendete 'l'hiirme zu besitzen, beide mit gemauerten 
Heimen und vonnicht unedler, aber alterthümlicher Anlage. Alle 
anderen Thurmbauten sind auch hier unvollendet oder haben doch 
nur einen späten, ungenügenden Abschluss erhalten und impo- 
niren nur durch die mehr oder Weniger gut geordnete Masse ihres 
Unterbaues, welcher indessen niemals die feine pyramidalische 
Gliederung und die Verschmelzung der Uebergänge, wie die süd- 
deutschen Thürme, sondern stets gesonderte, mehr oder weniger 
durch Fensterblenden und Maasswerkformen verzierte Stock- 
werke hat. Bei der Mehrzahl dieser Thürme erklärt sich diese 
einfache Massenhaftigkeit schon dadurch, dass sie, wie die von 
Delft, Rotterdam, Dortrecht und Zütphen in Backstein gebaut und 
nur mit steinernen Gliederungen geziert sind; aber auch die ganz 
in Stein ausgeführten Thürme von Deventer und von Breda (dieser 
einer der schönsten der Niederlande) haben denselben Charakter, 
sei es, dass derselbe durch die vorherrschende Backsteinarchi- 
tektur zur Gewohnheit geworden war, oder dass er dem Ge- 
schmacke des Niederländers entsprach. In der That scheint das 
letzte das richtigere, da auch die belgischen Thürme dasselbe Ge- 
präge tragen; der von St. Bavo in Gent ist dem der Frauenkirche 
von Breda sehr ähnlich, aber noch einfacher und schwerer, und 
selbst der der Kathedrale von Mecheln gehört noch demselben 
Systeme an. Besondere Erwähnung verdient der Thurm des 
Domes zu Utrecht, Weil er, im Jahre 1321 begonnen, dies System 
noch in seiner Entstehung und im Kampfe mit deutscher 'l'radi- 
tion zeigt. Er ist nämlich bedeutend schlanker und besteht nur 
aus drei hohen, immer abnehmenden Stockwerken, zwei vier- 
eckigen und einem von zierlichem Stabwerk belebten Achteck, 
auf Welchem jetzt, an Stelle der älteren Steinpyramide, ein höl- 
zernes Dach steht, dessen Spitze noch immer 354 Fuss über dem 
Boden ist. Allein jene beiden ersten, in Backstein gebauten Stock- 
werke sind blos durch kahle Fensterblenden verziert, ohne Stre- 
bepfeiler und ohne Uebergänge nach oben, so dass das Ganze 
den Eindruck des Nüchternen und Schwächlicheil macht, und 
man, wenn einmal auf die lebensvolle organische Entwickelung 
des deutschen Thurmes verzichtet werden sollte, jener massen- 
haften Breite und Schwere der anderen niederländischen Thürme
        

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