Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962849
144 
Niederländische 
Architektur. 
seren Kirchen statt des Kapellenkranzes blos den Umgang mit 
dem fünf- oder siebenseitigen Schlusse, und diese etwas schwer- 
fällige Form befriedigte hier so sehr, dass sie allmälig die vor- 
herrschende und selbst an prachtvoll ausgeführten Kirchen ange- 
wendet wurde d).  
Bei der Ausstattung des Aeusseren tritt in beiden nieder- 
ländischen Regionen das Bestreben, durch grosse Massen, ohne 
sonderliche Rücksicht auf Harmonie der Theile und auf feinere 
Details, zu Wirken, noch deutlicher hervor. In Holland geht dies 
oft bis zu einem Extrem des Schwerfälligeil, Nüchternen, Form- 
losen, mehr noch, als es sich aus der vorherrschenden Anwen- 
dung des Backsteins erklären lässt; in Belgien nähern sich auch 
in dieser Beziehung die Formen mehr den französischen, mit 
mehr oder Weniger verzierten Strebebögen, zierlichen Bahr- 
straden, reicher geschmückten Portalen. Aber auch hier sind 
diese Zierden vereinzelt und der Charakter des Schweren und 
Breiten ist so vorherrschend, dass fast bei jeder bedeutendercn 
Kirche sich die Verwunderung über den auffallenden Gegensatz 
dieser plumpen Gestalt des Aeusseren gegen den malerischen 
Anblick des Inneren wiederholt. Keine einzige Fagade kann 
denen der grossen französischen Kathedralen verglichen werden, 
auch die von St. Gudula in Brüssel verdankt ihre imponirende- 
Wirkung mehr ihrer günstigen Lage, als ihrer wirksamen An- 
ordnung. Diese und die Kathedrale von Antwerpen haben zwar 
Doppelthümie, aber sie sind nicht für die Gliederung des Ganzen 
benutzt, namentlich sind die Seitenportale zu klein, zu wenig mit 
dem Mittelportale verbunden, und überhaupt die 'l'heile nicht zu 
einem Organischen Ganzen verschmolzen. Bei den meisten an- 
deren, selbst grösseren, Kirchen verzichtete man auf diese höchste 
Zierde der Vorderseite, in Holland hielt man sogar häufig die 
I) Z. B. die grossen Kirchen von Arnheim, Zütphen, Deventer, Harlem, 
Delft, die beiden grösseren Kirchen von Leyden, in Nordbrabant die übrigens 
in reichem französischen Style gebaute Kirche zu Breda. Vrgl. die Abbildungen 
im Organ a. a. O. In den westlichen Provinzen weiss ich kein Beispiel aus 
dieser Epoche, wenn nicht vielleicht die Pfarrkirche von Aerschot, welche ich 
nicht gesehen habe und deren Beschreibung bei Schayes III, 181, undeutlich 
ist, diese _Form haben sollte. In der Uebergangszeit findet sie sich an N. D. 
de Pamele in Audenaerde (vergl. Bd. V, S. 221).
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.