Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962809
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Die 
Niederlande. 
allen grösseren Kirchen hat der Chorschluss die reiche französi- 
sche Anlage mit Umgang und Kapellenkranz; so namentlich bei 
allen fünfschiftigen (wohin S. Peter in Leyden hier nicht gehört, 
weil nur das Langhaus fünf, der Chor aber drei Schiffe hat) und 
ausserdem in Holland an den Liebfrauen-Kirchen von Dortrecht 
und Amsterdam, der Lorenzkirche. zu Rotterdam und der Ste- 
phanskirche zu Nymwegen, in Belgien an den Domen von Me- 
cheln, Löwen, Mons, an St. Michael in Gent und an St. Salvator 
in Brügge u. a. An der Stephanskirche zu Nymwegen ist es 
eigenthümlich, dass die einzelnen Kapellen nicht wie gewöhnlich 
drei-, sondern zweiseitig schliessen, so dass die Achse nicht auf 
die Mitte einer Seite, sondern in einen Winkel fällt, und an St. 
Walburgis in Zütphen haben die den Umgang begleitenden Ka- 
pellen sogar eine viereckige Gestalt, so dass der äussere Ab- 
schluss die einzelnen Kapellen nicht erkennen lässt, sondern ein 
einziges schweres Polygon bildet. Allein beide keinesweges 
glücklichen Abweichungen von der sonst beobachteten Regel 
werden erst der folgenden Epoche angehören  
Wichtiger ist eine andere, Wahrscheinlich in den Nieder- 
landen aufgekommene Choranlage, bei welcher zwar der Umgang 
und ein Kranz von Kapellen mit selbstständig hervortretenden 
Polygonseiten bestehen, beide aber verkürzt und gewissermassen 
zusammengezogen sind. Bisher hatte man nach dem Vorgange 
der Kathedrale von Amiens die einzelnen Kapellen durch fünf 
Seiten des Achtecks gebildet, von denen drei frei nach aussen 
heraustreten, die beiden anderen aber im Inneren liegen als 
Zwischenwände zwischen je zwei Kapellen und zugleich als 
sehr kräftige, keilförmig nach innen abnehmende Strebepfeiler. 
Die Kapellen sind dabei durch ein selbstständiges Rippengewölbe 
mit sechs Kappen überwölbt, von denen fünf den Seiten des Acht- 
a. a. O. Nro. 19. Dagegen hat St. Martin in Ypeni eine der Victorsklrche in 
Xanten ähnliche, aber dem Uebergangsstyl angehörige Anlage. Vgl. meine 
Niederl. Br. S. 420 mit Schayes III, 59. 
i") Vgl. die Abbildungen im Organ a. a. 0., S. 4 u. 37. Der Chor der 
Stephanskirche gleicht einigermaassen dem unseres Freiburger Münsters, ist; 
aber doch weniger manierirt, weil er die ungerade Kapellenzahl beibehalten 
hat, so dass nicht wie in Freiburg die Achse des ganzen Gebäudes auf einen 
Yoltretenden Strebepfeiler stösst.
        

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