Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962715
Kircheubauten 
der 
südlichen 
Provinzen. 
131 
das seinen Schlussstein über der Kapellen-Oetfnung hat, beide 
überspannt. Es ist fast genau dieselbe Abbreviatur der reichen 
französischen Anordnung, Welche wir später in einigen Kirchen 
der Niederlande und an der Ostsee kennen lernen werden, die 
aber, im nördlichen Frankreich ganz unbekannt, auch im Süden, 
soviel wir wissen, nur hier angewendet istk). 
Noch eigenthümlicher ist der Chorschluss der Kirche du 
Thor zu Toulouse, vom Ende des fünfzehnten Jahrhunderts. 
Das mittlere der drei, fast gleich breiten Schiffe schliesst näm- 
lich mit gerader Wand, die beiden Seitenschitfe aber treten mit 
polygonen Apsiden (larüber hinaus und scheinen also N ebenka- 
peilen des viereckigen Chorraumes, gewissermassen eine Abbre- 
viatur des Kapellenkranzcs zu bilden im). 
Ein anschauliches Bild der verschiedenartigen Einflüsse, 
denen diese Gegend unterworfen war, und der Formenmisehung, 
die dadurch entstand, ist die Kirche der Jakobiner (Domini- 
kaner) zu 'l'oulouse. Die ungewöhnliche Einrichtung des Lang- 
hauses, das aus zwei, durch eine Säulenreihe getheilten Schiffen 
besteht, ist zwar nicht südlichen Ursprungs, sondern aus der 
Kirche desselben Ordens zu Paris entlehnt, WO das eine Schiff 
als Chor der Mönche, das andere als haienkirche für die Predigt 
dient. Nun aber ist hier dem getheilten Langhanse ein weiter, 
von brillantem Sterngesßvölbe bedeckter und von einem reichen 
Kapellenkranze umgebener Chor etwa am Ende des vierzehnten 
Jahrhunderts angebaut äßhk). Der Kreuzgang, schon in den 
ersten Jahren desselben Jahrhunderts entstanden, prangt in ganz 
südlicher Weise mit 180 Marmorsäulen und mit reichen Sculp- 
turen der Kapitäle  Der 'l'hurm endlich zeigt einen der origi- 
a") Nachricht und Grundriss von Uzeste giebt der Engländer J. H. Parker 
in der brittischen Archäologie, V0]. XXXVI, S. 4, und nach ihm Kugler, 
Gesch. d. Bank. III, 127. Vgl. den Grundriss von Tournay unten S- 141. 
iß) Violleb-le-Due, welcher a. a. O. I, 9, den Grundriss dieses Chorschlusses 
"linkem, bemerkt, dass ihm mehrere solcher "gepaarten Apsiden" (absides ju- 
nW-lles) bekannt seien, von denen er jedoch nur die von Varen (Tarn-et-Ga- 
renne] aus dem zwölften Jahrhundert nennt. Ueber die Stelle des Hauptaltars 
und überhaupt über den liturgischen Gebrauch äussert er sich nicht. 
3x?) Viollet-Ie-Due I, 299, 
i") Guilheriny" in den Annales archeologiques, VI, pag. 324 ff. 
9 x:
        

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