Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962690
Kathedrale 
V01] 
Alby- 
129 
Portal und grössere Fenster; viereckig und an den Ecken von 
ähnlichen aber noch viel stärkeren, kreisrunden Streben flankirt, 
bis oberhalb des Kirchendachs unverjüngt, dann mit zwei Stock- 
werken, die aber nur soweit zurücktreten, dass schmale für 
kriegerische Abwehr geeignete Umgänge entstehen, endlich ganz 
oben mit einem zwar achteckigen und schlankeren, aber stumpf 
abschliessenden Aufsatze. Der einzige Eingang liegt auf der Süd- 
Seite der Kirche und ist nur durch eine hohe Treppe zugänglich, 
auf deren Höhe eine reizende, ganz in durchbrochenem, flammen- 
artig geschweifteln Maasstverk gebildete Vorhalle steht, eine der 
elegantesten, man kann sagen kokettesten Leistungen spätgothi- 
scher Kunst vom Ende des fünfzehnten Jahrhundertsß), welche 
gegen die massive Einfachheit der Kirche selbst sonderbar con- 
trastirt. Die Kathedrale zu Alby ist die grösseste unter den in 
Ziegeln erbauten Kirchen Frankreichs, und ohne Zweifel hat die 
Beschaffenheit des Materials wie auf die ungewöhnliche Anlage 
so auch auf die grosse Einfachheit der Erscheinung wesentlichen 
Einfluss gehabt. Allein die festungsartige Anordnung ist davon 
unabhängig und ohne Zweifel auf eine wirkliche Vertheidigung 
im Falle der Noth berechnet. Schon die Anlage des Thurms, 
an der Grenze einer anderen Commune und an einem Abhange, 
WO er gar nicht zum Eingange dienen konnte, deutet bestimmt auf 
diesen Zweck hin. Auch ist eine solche Absicht an anderen Kirchen 
dieser Gegend, an den Kathedralen von Narbonne und Beziers, 
an fast allen während des dreizehnten und vierzehnten Jahrhun- 
derts 
errichteten 
P farr  
und 
Klosterkirchen nicht zu verkennen. 
Mit wenigen, schmalen, stets an der Seite und zwar gern an 
schwer zugänglicher Stelle angelegten Portalen, mit kleinen, oft 
den Sehiessscharten gleichenden, hochgelegenen Fenstern, mit 
Zinnenbekrönung und festen 'l'hürmen, gewöhnlich auch auf 
hohen, zur Vertheidigung geeigneten Punkten erbaut, sind sie 
fast Wirkliche Festungen. In den Bürgerkriegen waren sie ohne 
Zweifel als solche benutzt, später War es eine zur Gewohnheit 
m) Märimäe a. a. O. S. 440 setzt sie irriger Weise in das Jahr 1380, wo 
nur das am Fusse der Treppe stehende Eingangsthor gebaut wurde. Vergl. 
Bourassö a. a. O. S. 49, 50.
        

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