Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962689
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Französische 
Architektur. 
architektonischen Anlage ist dann später noch mannigfacher 
Schmuck gekommen, an dem eine Reihe von reichen und pracht- 
liebenden Bischöfen arbeitete. Die ungebrochene Einheit des 
Raumes, die mehr einem Festsaale als einer Kirche entsprach, 
vertrug sich denn doch mit den Bedürfnissen des Klerus nicht; 
man wollte einen gesonderten Chorraum haben, und schuf ihn, 
indem man in der Mitte der Längenachse den ganzen Raum 
durch einen Lettner theilte, und von demselben Chorschranken, 
wie man sie anderwärts zwischen den Pfeilern angebracht hatte, 
ausgehen liess, welche dann den Aussenwänden in ihrer geraden 
Richtung und dem Chorschlusse parallel laufend, einen zwischen 
dem inneren Chorraume und den Kapellen sich hinziehenden 
Umgang bildeten. Diese Schranken haben nur die gewöhnliche, 
zu einer anständigen Begränzting der Chorstühle nöthige Höhe. 
sie stehen daher, da sie sich nicht an Pfeilerreihen anschliessen, 
in keiner architektonischen Verbindung mit dem Gebäude, son- 
dern sind wie ein vereinzeltes Monument in den weiten und 
hohen Raum hineingestellt, aber sie glänzen im reichsten 
Schmucke von Ornamenten und Statuen spätgothischen Styls. 
Ausserdem wurde um dieselbe Zeit, Ende des fünfzehnten Jahr- 
hunderts und im sechszehnten, die ganze Kirche, die Wände vom 
Boden an und die Gewölbe, diese zuletzt und zwar schon von 
der Hand italienischer Künstler, mit decorativen Malereien ge- 
schmückt, welche an sich und vermöge jener eigenthümlichen 
Beleuchtung sehr reizend erscheinen und dazu beitragen, die 
Kirche zu einem Gegenstände der Bewunderung zu machen. 
Mit diesem Glanze des Inneren steht dann die schlichte, 
festungsartige Erscheinung des Aeusseren im stärksten Gegen- 
satze. Da nämlich die Strebepfeiler im Inneren bis nach oben 
aufsteigen und mit dem grossen Gewölbe unter demselben flachen 
Dache liegen, bildet das Ganze eine ungetheilte Masse, deren 
einfache, 105 Fuss hohe Wände nur durch die in flacher Run- 
dung thurmartig hervortretenden Strebepfeiler und die dazwi- 
schen liegenden, hoch über dem Boden anfangenden schlanken 
Fenster unterbrochen sind. Auf der Westseite erhebt sich zwar 
ein mächtiger Thurm bis zur Höhe von 290 Fuss über dem 
Boden, aber auch er bildet eine einfache, gewaltige Masse, ohne
        

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