Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962635
Die 
Gothik 
im 
Süden. 
123 
Mittelschiffes. die Breite der drei Portale, Welche mit ihren für 
die Aufnahme von Statuen bestimmten, aber unausgefüllt geblie- 
benen Nischen aneinanderstossen und ein über die ganze Faca- 
denbreite ausgedehntes Band bilden, hat schon ein südliches Ge- 
präge, die grosse, strahlenförmige und viereckig eingerahmte 
Rose ist aber vion meisterhafter Ausführung. 
Im ganzen südlichen Frankreich traten überhaupt andere 
Verhältnisse ein. Der gothische Styl, erst während der zweiten 
Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts hierher gedrungen, war 
noch keineswegs alltäglich geworden; die Meister, Welche ihn 
betrieben, grossentheils aus dem Norden berufen, schienen es zu 
fühlen, dass sie hier noch nicht auf ihren Lorbeeren ruhen 
durften. Die bereits angefangenen und in der vorigen Epoche 
schon erwähnten Bauten, St. Maximin bei Marseille, die Kathe- 
dralen von Clermont-Ferrand, Liinoges, Beziers, Narbonne, der 
Chorbau von St. Nazaire in Carcassonne ü], und einige andere 
ileubegonnene, wie St. Michel- es  licns in Limoges (1364), die 
schöne Kathedrale von Mendc (1368) M), die Kathedrale von 
Bazas (Gironde) wie) und die von Rodez  stiegen als glän- 
zende Leistungen der nordischen Kunst empor und übertrafen 
fast die Kühnheit und Eleganz der gleichzeitigen Bauten des 
Mutterlandes. Allein fremdartige Erscheinungen waren sie auf 
diesem Boden doch, und der neue Styl musste, nachdem er das 
Bürgerrecht erhalten, sich auch den localen Bedingungen mehr 
anfügen. Klimatische Rücksichten, der Geschmack und das 
Raumgetühl südlicher Völker, die baulichen Traditionen wirkten 
übereinstimmend dahin, statt des Schlanken, Schmalen, Zuge- 
spitzten, Gebrochenen einfachere, breitere Verhältnisse zu 
schaffen. Auch das Material kam in Betracht. Jener an sich 
unscheinbare, aber zu feiner Ausarbeitung geeignete Sandstein, 
an dem das nördliche Frankreich so reich ist, findet sich hier 
 a") Oben Bd. V, S. 178, 180, 201. Der Grundriss von St. Nazaire bei 
Vwnet-lß-Duc a. a. o. n, 378. 
32. Bourfissefg, Cath. franq. S. 361. de Laborde, Antiquitäs franq. 
) Drelschlmä, 011118 Querarln, aber mit Kapellenkranz und reichge- 
Schmücktßr Faääadß- Der Grundriss bei Fergusson a. a. O. S. 685. 
 Parke? in der Archaeologia britt. V01. XXXVI, p. 322.
        

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