Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962603
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Französische 
Architektur. 
so dürftiger und kaum wie einzelne tragende Glieder, sondern 
mehr wie eine feste Mauermasse , zumal da Baldachine , für un- 
ausgeführt gebliebene Statuen bestimmt, darauf angebracht sind 
und sie verbinden. Wir sehen schon hier, wie der vollendete 
Verticalismus über sein Ziel hinaus und zur Wiederherstellung 
umgebrochener Mauern führen musste. Bei der Anordnung der 
oberen Wände ist das Motiv lichter Triforien von verdoppelter 
Zahl der Abtheilungen beibehalten; aber die Oberlichter sind 
hier fünft-heilig und das Maasswerk bewegt sich in kräftigen, 
flammenden Linien, so dass die ganze Anordnung hier reicher, 
aber auch dichter und weniger graziös und luftig erscheint. 
Die grosse Schönheit der Verhältnisse bewährt sich indessen- 
auch hier. Der Mittelthurm, der hier, wie häufig in der Nor- 
mandie, nach englischer Weise gross und bedeutend gehalten 
ist, hat zwar seine Ausführung erst viel später erhalten, war 
aber schon ursprünglich beabsichtigt. Dagegen ist die ganz un- 
gewöhnliche Anlage der westlichen Thürme, deren viereckiger 
Ueberbau nämlich übereck gestellt ist, so dass die vorderen 
Strebepfeiler vortreten und eine Einrahmung des mittleren Theils. 
der Faeatle bilden, nicht unserer Epoche zur Last zu legen, son- 
dern eine Erfindung des sechszehnten Jahrhunderts, durch 
welche man den pittoresken Effekt erhöhen und der Facade un- 
geachtet der geringen Breite ein grösseres und bedeutenderes 
Ansehen geben Wollte. 
Die meisten anderen in dieser Epoche neu erbauten Kirchen 
waren wie St. Ouen klösterliche, sind aber nach der Aufhebung 
der Klöster abgetragen, so dass wir von ihrer Pracht nur Nach- 
richten haben. Dahin gehörte ausser der schon erwähnten Cöle- 
stinerkirche zu Paris auch die im Jahre 1338 begonnene, aber 
unvollendet gebliebene Kirche der Bernhardiner, deren pracht- 
volles dreischitfiges Langhaus mit grossen breiten viertheiligen 
Fenstern, reichem, geometrischem Maasswerk, sehr durchbil- 
detem Strebesysteme in der Revolution niedergerissen ist, so 
dass nur noch ein dazu gehöriges gewaltiges dreischilfiges Re- 
fectorium aus derselben Zeit von der Eleganz dieser Kloster- 
bauten Zeugniss giebt. Erhalten ist in Paris noch die Kapelle 
des Collegiums von Beauvais, zu Welcher Carl V. 1370 den
        

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