Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962576
St. Ouen 
in 
Roueu. 
lasteten Pfeiler der Vierung für gefährdet erklärten, weil das 
Kreuzschilf zu beiden Seiten noch nicht vollendet sei und keine 
Widerlage gewähre  Man kann daraus schliessen , dass da- 
mals, wahrscheinlich unter [reitnng jenes Alexander von Ber-_ 
neval, das Langhaus (jedoch noch ohne die Facade, die erst 
1515 begonnen wurde) vollendet war, und dem entspricht auch, 
der Styl. Die Bildung der Pfeiler ist weicher, das Maasswerk 
der Fenster, das im Chore noch geometrische, wenn auch sehr. 
willkührlich zusammengesetzte Formen hat, durchweg flam-. 
mend; im Uebrigen aber hat sich der Meister des Langhauses 
genau der Anordnung des Chores, selbst in feineren Motiven, 
angeschlossen, so dass beide Theile doch ein harmonisches 
Ganzes bilden und wir den älteren, dem Anfange unserer Epoche 
angehörigen Meister als den eigentlichen Urheber des Werkes 
ansehen dürfen. Es ist gewiss von grosser Schönheit. Die An-. 
lage ist die regelmässige französischer Kathedralen, ein drei- 
schiffiges Langhaus ohne Seitenkapellen, Querarm mit Neben- 
schilfen, ein ziemlich langer Chor mit polygonem Abschluss und 
mit dem Kapellenkranze. Die Maasse sind allerdings geringere, die 
Breite des Mittelschiffes nur 34 Fuss, die Verhältnisse aber diesel- 
ben, wie in den Kathedralen von Beauvais und Köln, die Höhe (100. 
Fuss) das Dreifache jener Breite, und gerade durch die mässige 
Breite und die sehr bedeutende Länge (416 Fuss) wird der Ein- 
druck des Schlanken und Luftigen verstärkt. Auf diesen sind 
denn auch alle Details berechnet. Die Pfeiler bestehen aus vielen 
einzelnen, schlanken Rundstäben, deren Basis schon nicht mehr, 
in einer Fläche liegt, die Kapitäle fehlen entweder, wie nament- 
lich an den oberen Diensten des Chorschlusses, ganz, oder sie 
sind doch klein, von geringer Ausladung, nur an den vier 
Hauptdiensten, und auch an diesen in verschiedener Höhe, im 
a) S. diese interessante Urkunde in der Bibl. de Peeole des Ohartes, Sei. 
In: t- 3: S. 473. Die auch von Geschichtschreibern ernsthaft erzählte Sage! 
(1855 Alexander Berneval, der Urheber des Rosenfensters im südlichen Kreuz- 
schiife, seinen Gehiilfen, der das schönere nördliche Fenster gebildet, 81H 
Sdllaäen habe und deshalb hingerichtet, aber dennoch von den für seine son- 
stigen Verdienste dankbaren Mönchen hier beerdigt sei, wird durch diese Ur-. 
kunde vollständig widerlegt. Beide Rosenfenster existirten damals noch nicht,
        

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