Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962551
Schlösser 
der 
Grossen. 
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reste wegen Baufälligkeit verkauft. Die allzugrosse Ausdeh- 
nung mochte zu der späteren Vernachlässigung beitragen; die 
Anlage hatte die Grösse eines ganzen Stadtviertels, enthielt 
sieben oder acht grosse Gärten mit Laubengängen, Pavillons, 
Thierbehältern und anderen Ergötzlichkeiten, eine grosse Zahl 
von Höfen, einer so gross, dass Turniere darin gehalten wurden; 
ausser der Reihe von Gemächern des Königs und der Königin 
hatten auch die Prinzen und viele höhere Beamte und Günstlinge 
darin Wohnungen, zum Theil mit eigenen Gärten und Kapellen. 
Im Louvre hatte der König sogar zwei verschiedene bVoh- 
nungen, beide mit Schlafgemach, kleiner Kapelle und Bade- 
zimmer, und mit reich in Malerei und Vergoldung geschmückten 
Zimmern. Die höchste Pracht war den grossen Festsälen auf- 
bewahrt; der im Schlosse von St. Paul, von 90 Fuss Länge und 
36 Fuss Breite, führte den Namen Carls des Grossen, der im 
Louvre den des heiligen Ludwig, beide Wahrscheinlich, Weil sie 
mit Malereien oder Statuen aus der Geschichte dieser Könige 
geschmückt waren. Aus beiden führten prächtige, mit farbiger 
Sculptur geschmückte Portale in die daran anstossende grosse 
Kapelle. Gewaltige Kamine, mit Wappen besetzte Plafonds, 
Fussböden in Holz oder Stein mit zierlicher Zeichnung ausge- 
legt, endlich Glasgenlälde in den freilich durch Eisengitter ge- 
schützten Fenstern gehörten zu der Pracht dieser Säle, an denen 
bei den Hoffesten nur die Königin auf einem Faltstuhl von 
rothem Corduan, alle anderen auf hölzernen, bemalten Schemeln 
oder Bänken sassen. Wandmalereien sah man selbst in den 
Corridoren; wir wissen von einem mit der Darstellung eines 
Lustgartens, in welchem Kinder Blumen pflückten und Obst 
suchten, und von einem anderen, der zur Kirche von St. Paul 
führte, wo von dem den Himmel darstellenden Gewölbe Engel 
herabschwebteu, singend und musicireud oder Vorhänge mit 
dem königlichen Wappen haltend Alle diese Arbeiten waren 
nach den durch Sauval erhaltenen Rechnungsauszügen von ange- 
sehenen, sehr gut bezahlten Künstlern, deren zahlreiche Namen 
tiaduffll auf uns gekommen sind, ausgeführt 
i") Sauval a. a. O. II, 281, 
 S. diese Namen auch bei Guilhermy a. a. O. S. 263. 
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