Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962505
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Französische 
Architektur. 
aus; die französischen Geschichtschreiber sind einig, dass 
gerade in dieser Zeit der Luxus des Adels eine bisher nie ge- 
kannte Höhe erreichte. An der Spitze dieses Adels stand dann 
auch längere Zeit ein kluger und für feinere Bildung empfäng- 
licher König, Carl V. (1364 bis 1380), dessen Regierung 
meistens friedlich und im Kriege nicht unglücklich war. Dieser 
König, den wir als den Stifter einer bedeutenden Bibliothek und 
als grossen Gönner der Miniaturmalerei kennen lernen werden, 
war nicht minder prachtliebend und baulustig; noch vor seinem 
Regierungsantritte, während sein Vater in englischer Gefangen- 
schaft war, begann er den Bau eines Palastes, der an Pracht und 
Umfang seines Gleichen in Europa nicht hatte. Die Grossen und 
der Adel folgten diesem Vorbilde und wollten in ihren, wenn 
auch nach wie vor stark befestigten, Schlössern prachtvoll ge- 
schmückte Wohnungen haben. Die Zahl kirchlicher Neubauten 
blieb zwar hinter denen der vorigen Epoche weit zurück, aber 
das erklärt sich sehr einfach dadurch, dass die übergrosse Ban- 
lust derselben dem kirchlichen Bedürfniss für lange Zeit genügt 
und eine gewaltige Zahl grossartig angelegter, aber unvollen- 
deter Kathedralen hinterlassen hatte. Fast an jeder derselben 
können wir daher grössere oder kleinere Theile aus der gegen- 
wärtigen Epoche aufweisen, und wo keine unvollendeten oder 
fortzusetzenden Arbeiten waren, hatte man noch Kraft und Bau- 
lust genug, sich solche zu schalfen, indem man dem eben erst 
vollendeten Chore oder Langhause noch einzelne Kapellen hinzu- 
fügte, für welche denn doch gewiss kein dringendes Bedürfniss 
vorlag. Namentlich fällt die Errichtung einer der Jungfrau ge- 
widmeten Prachtkapelle, die wir hier, wenn auch nicht so durch- 
gängig wie in England , an der Ostseite finden, überall in dieses 
Jahrhundert. Endlich fehlt es aber auch keineswegs ganz an 
neugegründeten oder gänzlich erneuerten Kirchen, welche alle in 
grossem Maassstabe oder doch mit Aufwand und Eleganz ange- 
legt sind. Auch an Gunst und Anerkennung fehlte es den fran- 
zösischen Architekten nicht, sie erfreuten sich derselben in einem 
Grade, dessen sich ihre deutschen Collagen bei Weitem nicht rüh- 
men konnten. Dem Meister Jean Ravy, der in der ersten Hälfte 
des vierzehnten Jahrhunderts starb, nachdem er 26 Jahre dem
        

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