Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962494
Frankreich. 
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gränzt und gross, verwandt den religiösen Geheimnissen und 
wie sie mit hingebender, ehrfurchtsvoller Begeisterung betrachtet. 
Glaubt man das Wort des Räthsels gefunden zu haben, so 
schwindet dieser Nimbus, die Kunst wird eine Aufgabe wie die 
anderen Geschäfte des Tages; Praxis und Theorie gehen allseiti- 
ander, und es kann nicht ausbleiben, dass nach Neigung, Mode, 
oder abstract verständiger Consequenz einzelne Elemente ein- 
seitig herausgehoben und betont werden. Diesem Stadium der 
Auflösung näherte sich die Architektur im Laufe dieser Epoche, 
so dass die Spuren des Verfalls am Ende derselben immer deut- 
licher hervortreten. Allein freilich nicht überall in gleichem 
Maasse und in gleicher Art. 
Am auffallendsten ist der Unterschied der Zeiten in Frank- 
reich. Während wir in der vorigen Epoche die Menge von 
glänzenden Werken, von stets anziehenden und wichtigen Erfin- 
dungen und Verbesserungen kaum bewältigen konnten, ist die 
Geschichte der gegenwärtigen fast ein leeres Blatt. Allerdings 
War das vierzehnte Jahrhundert besonders für Frankreich ein 
unglückliches; bald nach dem Ablaufe des ersten Drittels wurde 
esder Schauplatz des verheerenden Krieges mit England, der, 
wenn auch mit Unterbrechungen, über hundert Jahre dauerte 
(1336 bis 1449); dazu kam innerer Zwiespalt, der Aufstand von 
Paris 1357, der Bauernaufruhr 1358, anhaltende Kämpfe der 
Grossen und der Prinzen des königlichen Hauses, und endlich die 
Zahl der Seuchen und anderer Leitlen, von denen das ganze 
Abendland heimgesucht war. Diese Unfälle werden gewiss auf 
die Kunst hemmend eingewirkt haben, aber doch schwerlich in 
dem Grade, wie man gewöhnlich annimmt. Die Kriegsnoth be- 
gann, wie gesagt, erst ein Menschenalter nach dem Anfange des 
Jahrhunderts, erlitt bedeutende Unterbrechungen und verheerte 
doch immer nur vorübergehend einzelne Provinzen. Auch 
Wirken bekanntlich Kriege keineswegs blos niederdrückend, 
Sünde"! auch anregend; das Leben reagirt gegen die äussere 
Hemmung und hebt sich um so frischer, wenn der Sturm aus- 
getobt hat. Das blieb auch hier in anderen Beziehungen nicht
        

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