Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962440
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Architektur. 
hinaufstrebeilden, spitzen Helm auslaufende Verjüngung, gehörte 
zwar der vorigen Epoche an, die weitere Ausführung war aber 
der gegenwärtigen überlassen und sagte ihrem Geiste sehr zu. 
Denn hier ivar die günstigste Gelegenheit, durch die Kühnheit 
statischer Berechnung und durch die Pracht des Schmuckes zu 
imponiren, mächtige Steinriesen emporsteigen zu lassen, leichte 
Bögen zu schwingen, reiches Maasswerk in kolossalster Grösse 
auszuführen, so dass es auch dem Auge des unten stehenden 
Beschauers sichtbar war. Das Nähere auch hier bei den ein- 
zelnen Ländern. 
Ueberhaupt wurde der obere Theil des Gebäudes immer 
reicher und bunter mit Maasswerk geschmückt. Hohe F enster- 
giebel, im vorigen Jahrhundert eine Auszeichnung des Chores, 
stiegen nun auch am Langhanse auf, wurden immer reicher ver- 
ziert, und bildeten mit den Balustra den am Fasse des Daches 
eine stolze Bekrönung der ltlauerit). Allerdings Waren diese 
kein müssiger Prunk, sondern für manche Zwecke nützlich, zum 
Schutze der Vorübergehenden gegen herabfallende Dachziegel, 
zur Leitung des Wasserablaufs, zur Bildung eines sichern 
Weges für Reinigungen und Reparaturen des Daches, endlich 
auch als statisch vortheilhafte Belastung der Mauevidcf). Allein 
sie hatten doch keine active Function und duldeten beliebige Bil- 
dung. Anfangs hatte man ihnen Arcadenform gegeben, aber 
gerade hier war diese strengere Form minder zweckmässig, da 
sie unten, wo ein Herabgleiten zu fürchten war, grosse offene 
Stellen liess, und man fand vielmehr, dass zusammengesetzte 
sphärische Figuren oder Bogenlinien, welche bald den unteren, 
bald den oberen Steinbalken der Brüstung berührten, dem 
Zwecke besser entsprachen. Da hatte man denn eine Stelle, Wo 
reiches Maasswerk erfordert und selbst nützlich war, und wo 
die französischen Architekten ihre Flammen, die Deutschen ihre 
Kreise und geschweiften Figuren verwenden und ihre geometri- 
schen Kenntnisse und die Fertigkeit des Meissels in günstigster 
Weise zeigen konnten. Man brachte daher ähnliche Balustraden 
Ü Vergl. die Abbildung aus Abbeville S. lOO. 
H) Alles dies hat Viollet-le-Duc a. a. 0. 11. 67 H. 
und Sachkenntniss ausführlich nachgewiesen. 
Klarheit 
mit gewohnter
        

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