Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962431
Portalbildung. 
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waren von kolossalen Statuen und schattenden Baldachinen ernst 
und bedeutsam erfüllt. Jetzt erschienen auch diese Formen zu 
kräftig und strenge, man wollte eine glattere Erscheinung und 
fliessendere Formen, machte daher die Vertiefung des ganzen 
Portals geringer, gab das hohe Basamcnt auf, bildete den Sockel 
niedriger, die Rundstäbe zarter, die Höhlungen flacher und 
weicher, stellte die Statuen in weiteren Zwischenräumen auf 
oder liess sie ganz fort, und unterdrückte endlich die Kapitäle, 
damit die feinen, vielfach gehäuften Stäbe ihren [lmschwung 
durch den Bogen ungehindert vollfiihrten. 
An den Facaden hatten bisher die horizontalen Linien in 
Gallerien oder sonst durchlaufenden Verbindungen noch immer 
eine bedeutende Stelle eingenommen; die grosse Rose der Mitte 
war recht eigentlich dazu bestimmt, sie mit der vorherrschenden 
Verticale zu versöhnen. Jetzt sollte diese ausschliesslich zur 
Geltung kommen; die Rose und der reiche Statuenschmuck der 
Gallerien wurde unterdrückt, man stattete die Facade nur mit 
den überwiegend senkrechten Bildungen spitzbogiger Fenster 
oder schmaler und hoher, durch Stabwerk gebildeter VVandfelder 
aus; ja man gab sogar den Fenstern der verschiedenen Schiffe 
verschiedene Grundlinien, um auch hier jede Andeutung einer 
Horizontale auszuschliessen 
Eine Gelegenheit zur Anwendung künstlicher geometrischer 
Zeichnung gewährten dann die Strebepfeiler mit ihren 
Fialen. Die Grundzüge ihrer Entwickelung und Anwendung 
blieben zwar noch dieselben wie in der vorigen Epoche, aber 
man gefiel sich, die Absätze zu häufen, die krystallinische 
Strenge der aufstrebenden Achtecke durch Nischenwerk ge- 
schmeidiger und die Details reicher zu machen, und steigerte 
dies so sehr, dass die Leichtigkeit der Erscheinung dadurch 
litt. Vor Allem nahm dann in dieser Epoche die Bildung der 
Thürme, gleichsam der grossen Hauptfialen des ganzen Ge- 
bäudes, die Kräfte der Architekten in Anspruch. Der Grund- 
gedanke der gothischen Thurmbildung, die Ueberleitung des 
VißTeCkS in ein Achteck und die allmälige, zuletzt in einen kühn 
m] Berühmte Beispiele dieser Anordnung sind die Faqadcn der Kathe- 
drale von York und die projectirte des Kölner Domes.
        

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