Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962428
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Architektur. 
sehr ähnlichen Bildungen in dem liammenden Maasswerk der 
französischen Schule, weil ihre bizarre Gestalt nicht durch den 
durchgeführten Verticalismus aufgelöst und entschuldigt wird. 
Soviel hier zur vorläufigen Uebersicht, da ich bei der Betrach- 
tung der einzelnen Nationen auf diese Eigenthiimlichkeiten des 
Maasswerks näher eingehen muss. 
Auch an anderer Stelle zeigte sich dann die Neigung, die 
festen Glieder in viele schweifende Linien aufzulösen, nämlich 
am Gewölbe. Man theilte nämlich die einzelnen kräftigen 
Rippen in mehrere kleinere, Welche sich trennten und wieder 
zusammenfanden, und erhielt so ein mehr oder weniger reiches 
und künstliches Netz, welches das Auge durch sein mannig- 
faltiges, grössester Abwechselung fähiges Formenspiel ergötzte 
und zugleich zu technischen Erleichterungen benutzt werden 
konnte. In England, wo wir diese Neigung schon in der vori- 
gen Epoche wahrnehmen, verschwand daher das einfache 
Kreuzgewölbe völlig, in Deutschland sah man darin eine Gele- 
genheit sich in der Lösung geometrischer und technischer 
Schwierigkeiten zu üben, oder ergriff es als ein Mittel gegen die 
allzugrosse Einförmigkeit der Hallenkirchen; nur in Frankreich. 
besondersainl den Kernprovinzen des gothischen Styls, sträubte 
man sich noch gegen diese Neuerung. Es ist nicht zu läugnen, 
dass solche künstlichen Gewölbe unter Umständen einen gün- 
stigen Eindruck machen, meistens erscheinen sie aber doch zu 
schwer und anspruchsvoll, und jedenfalls trugen sie mit dazu 
bei, das architektonische Gefühl irre zu leiten und an bunte Zer- 
splitterung zu gewöhnen. Auch übten sie eine ungünstige 
Rückwirkung auf die unteren Theile aus, indem die zunehmende 
Auflösung und Spaltung der Gewölbrippen auch immer dünnere 
Dienste zu erfordern schien.  
Im Aeusseren der Kirchen unterlagen zunächst die Por- 
tale einer ganz ähnlichen Umgestaltung wie die Pfeiler des 
Innern. Die Säulenschäfte, die sich an diesen noch einiger- 
massen erhalten hatten, waren zwar an jenen gleich im Beginne 
des gothischen Styles verschwunden und weicheren Höhlungen 
und Rundstäben gewichen. IAber die breite "einfache Abschrä- 
gllllgdes Basaments war doch geblieben und jene Höhlungen
        

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