Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962278
Reisen 
und 
Pilgerfahrten. 
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Reisen, Welche Handel, Lehusdienst, geistliche Missionen, Na- 
tionalkriege oder Privatfehden erforderten, kamen die mehr will- 
kürlich gewählten. Die Kunde von den Kreuzzügen der Väter 
liess die Enkel nicht ruhen, die XVanderlust erzeugte Gelübde 
und nahm auch ohne solche fast den Charakter einer religiösen 
Pflicht an. Einzelne pilgerten noch immer nach dem gelobten 
Lande und hatten dann, weil sie nicht mehr in Heeresmassen 
einherzogen, um so abenteuerlichere Ereignisse; Andere wall- 
fahrteten nach Preussen oder Spanien, wo man sich noch gegen 
Heiden und Mauren schlug. Bei der leichten Erreichbarkeit 
dieser Schauplätze heiliger Kriege scheint es wenigstens bei den 
französischen Rittern Regel gewesen zu sein, dass jeder in 
seinem Leben eine solche „Reise" mache; Froissard nennt es 
geradezu „le voyage de Prusse" , etwa wie man heute bei einem 
Künstler von seiner Reise nach Italien sprechen würde. Es ge- 
schieht selbst während der englischen Kriege. Wer das nicht 
konnte, unternahm dann eine Pilgerfahrt nach irgend einem be- 
rühmteu näheren oder entfernteren WVallfahrtsorte, wo Leute der 
verschiedensten Stände und Zwecke in der bunten Mischung 
zusammentrafen, welche Chaucer so humoristisch geschildert 
hat. Riickte nun gar die Jubelfeier von Rom heran, die Bo- 
nifaz VIII. im Jahre 1300 eingeführt hatte und deren Wieder- 
kehr im Laufe dieses Jahrhunderts von 100 anfangs auf 50, 
dann auf 33 Jahre gesetzt wurde, so machten sich ganze Völ- 
kerschaften auf den Weg, so dass man die Pilger in Rom täg- 
lich nach Hunderttauseuden rechnen konnte. Dann kamen die 
stürmischen Ziige der Geissler oder ähnlicher, von plötzlichen 
Aufwallungen fortgerissener Pilger, dann Wieder abenteuernde 
Ritter, wie Froissard sie einige Male nennt, die zur Ehre ihrer 
Damen in anfallender Tracht herumzogen und Kämpfe heraus- 
forderten, dann Söldner, welche Dienste suchten oder nach been- 
detem Kriege heimkehrten. Wohl dem Lande, wenn sie sich 
nicht zu Raubschaaren gesellten. Selbst die Kriegsunterneh- 
mungen der Fürsten Waren oft so leichtsinnig und mit so ge- 
ringen Mitteln unternommen, dass man sie geradezu nur als 
Aeusserungen abenteuerndcn Muthes ansehen kann, und dass 
sie nur dazu dienten , die Strassen mit neuen Abenteurern zu be- 

        

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