Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962257
Festlust. 
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Unterlage eine hölzerne oder silberne Tafel bildete. Dabei aber 
zeigte man dann an Geräthen und bei Anrichtung der Speisen 
möglichste Pracht. Der Gebrauch silberner und goldener Ge- 
schirre war in diesem und im folgenden Jahrhundert mehr als je 
ausgedehnt. Selbst in Wirthshäusern setzte man den Gästen 
silberne Becher vor, und in adelichen und bürgerlichen Häusern 
waren Schmuck und Silberzeug weit über Bedürfniss vorhanden. 
Es war dies Luxus und Wirthschaftlichkeit zugleich, denn ein 
solcher Besitz war eine Art der Anlage von Kapitalien, die man 
im Nothfalle leicht versilbern konnte, und die ihre Zinsen durch 
ihren festlichen Glanz abtrugen. In fürstlichen I-Iäusern, obgleich 
auch da diese Schätze nicht gegen den Schmelztiegel gesichert 
waren, suchte man doch den Werth des Stoifes durch die Kunst 
der Bearbeitung zu erhöhen. Auf der 'l'afel König Philipp des 
Schönen sah man ein silbernes Becken, in welches der Wein 
sich aus den Rachen von Bären und Leoparden ergoss und 
worin Schwäne und Sirenen schwammen. Andere 'l'afelaufsätze 
enthielten figürliche Darstellungen, etwa das Schloss der Liebe 
0de1' sonst Sceuen eines Romans, oder sie stellten Schiffe vor, 
welche die grossen Braten trugen, während daneben auf sil- 
bernem Meere kleine Nachen mit süssem oder scharfem Beiwerk 
angebracht waren de). Dem reichen Geräthe entsprachen dann 
auch die Speisen, unter denen nicht blos der Fasan oder Pfau, 
die das Ehrengericht ausmachten, sondern auch Eber, Lämmer, 
grosse Fische vergoldet und mit allerlei glänzenden oder scherz- 
haften Zierden geschmückt waren. Es versteht sich, dass die 
Zahl der Gänge gewaltig gross war, meistens stark gewürzte 
Fleischslmeisen und am Schlüsse süsses Backwerk. Auch die 
Bedienung war dann mehr oder minder bedeutsam; bei Krö- 
nungsmahlzeiten wurden Kaiser und Könige und selbst gerin- 
"Ü Eine urkundliche Beschreibung der 30 Schiffe dieser Art, welche bei 
der Vermählung KarPs des Kühnen in Brügge 1467, jedes 7 Fuss lang, mit 
Mastßn und Takelwerk, zwischen Felsen und Seethieren, mit ihren vier, Li- 
monenv KaPßrn, Oliven u. dgl. enthaltenden Nachen auf der Tafel anlangten, 
giebt die Rechnung bei de Laborde, dncs de Bourgogne, II, 3, pag. 322. 
Innerhalb unserer Epoche ist ein ähnliches Schiff bei der Mahlzeit des Her- 
zogs von Berry in einer Miniatur nachzuweisen. Waagen in v. Quast Zeitschrift 
II, S. 232.
        

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