Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962241
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Weltlebeu. 
beliebt wurde, und bei denen es wild genug herging, wie die 
bekannte Geschichte des unglücklichen Carl VI. beweist. Aber 
auch ohne solche besondere Veranstaltungen wurde jede Hand- 
lung der Fürsten und Grossen zu einem Volksfeste. Dahin ge- 
hörten Reichstage und Zusammenkünfte der Herrscher, die frei- 
lich, wie jener scheinbare Gerichtstag Kaiser Ludwigs von 
Bayern im Jahre 1338 zu Coblenz, oft wirklich nur Schauspiele 
waren, dann aber auch alle Familienfeste. Bei der Hochzeit des 
Markgrafen Waldemar von Brandenburg zu Rostock im Jahre 
1310 belief sich allein die Zahl der zu Rittern geschlagenen 
Knappen auf 1700; die Menge der Herzoge, Grafen, Barone, der 
Ritter in goldglänzenden Rüstungen, der Edeldamen war un- 
zählbar, die Stadt konnte sie nicht fassen, es war daher ein 
Lager von scharlaehrothen Zelten aufgeschlagen; Wein, Bier 
und Meth flossen in Brunnen und selbst die Specereien, deren 
man zu den Mahlzeiten bedurfte, bildeten ganze Schiiiisla- 
dungen ü]. Noch viel pomphafter und geräuschvoller waren na- 
türlich die Krönungsfeste des Kaisers oder des Königs von 
Frankreich. Zu diesen ausserordentlichen und seltenen Festen 
kamen dann die Turniere der Rittergesellschaften , die Feierlich- 
keiten, mit denen die Städte den Besuch fürstlicher Personen 
oder frohe Ereignisse begingen, und endlich die grösseren Kir- 
chenfeste, Welche in Kathedralen und reichen Klöstern immer 
von prachtvollen Aufzügen, Schauspielen und anderen Ergötz- 
lichkeiten begleitet waren und daher auch durch diesen Reiz 
nahe und entfernte Gäste herbeizogen. 
Neben diesem Luxus bestanden in vielen Beziehungen noch 
sehr primitive, fast rohe Gebräuche. Bei Mahlzeiten wurden die 
Gäste in vielen Gegenden paarweise bedient, so dass zwei, und 
zwar häufig ein Herr und eine Dame, nur einen Teller und einen 
Becher hatten, woraus sich dann viele sorgfältig erlernte Regeln 
des guten Benehmens ergaben. Gabeln kamen zwar in diesem 
Jahrhundert mehr in Gebrauch, nachdem man sich bisher statt 
ihrer kleiner Messer bedient hatte, dagegen kannte man Ser- 
vietten noch lange nicht. Der Vorschneider zerlegte den Braten 
kunstgerecltt auf einem dazu bereiteten flachen Brodte, dessen 
 Johannes Victorinus in Boehmer Fontes hist. germ. I, 367.
        

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