Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962237
Festlust. 
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prachtvoller Feste behauptet Frankreich. YVar auch die drama- 
tische Kunst als solche, wie wir gesehen haben, hier wie überall 
noch in ihrer Kindheit, so war doch der Umfang und das Ge- 
pränge der öffentlichen Schauspiele grösser, als in den anderen 
Ländern. Der Hof und die städtische Behörde von Paris wett- 
eiferten, die unruhige und gedrängte Bevölkerung damit zu un- 
terhalten; alle grossen kirchlichen Feste und alle freudigen Er- 
eignisse der königlichen Familie wurden damit begangen. Es 
handelte sich dabei nicht um wirklich gesprochene Dramen, son- 
dern mehr um stumme, vielleicht von Gesang oder von beschrei- 
benden Versen eines Sprechenden eingeführte und erläuterte 
Handlungen oder Bilder, bei denen aber hunderte von Personen 
thätig waren, und welche Bühnen von gewaltigem Umfange er- 
forderten, gewöhnlich in drei Stockwerken, um neben den irdi- 
schen Hergängen auch Himmel und Hölle zu zeigen. Oft be- 
gnügte man sich nicht mit Einer Bühne, sondern zog von einem 
Bilde zum andern; bei der Einholung der nachher so verhassten 
Isabella von Bayern als Gemahlin des jungen Königs CarPs VI. 
im Jahre 1389 waren der Schaustellungen so viele, dass der 
Zug erst Nachts bei N-otre-Dame anlangte. An mechanischen 
Vorrichtungen, um Wunder ode1' übernatürliche Erscheinungen 
darzustellen, fehlte es dabei nicht. Eben bei jenem Einzuge der 
Isabella war an einem der Haltepunkte die Einrichtung getroffen, 
dass wie Froissard erzählt) Engel von oben herunterschwebend 
ihr eine Krone aufsetzten, und in einem 1378 bei der Anwesen- 
heit Kaiser Carlis IV. in Paris gegebenen Schauspiele aus, den 
Kreuzzügen kamen sogar Schiffe auf die Bühne. Die Schaulust 
war unermüdlich, ein vor Carl VI. im Jahre 1380 dargestelltes 
Mysterium hatte 23 Abtheilungen, und eine Darstellung der 
Schöpfungsgeschichte in London im Jahre 1409 spielte acht 
Tage  Zusammenhängend mit dieser Schaulust war die Sitte 
der Maskenfeste, welche in diesem Jahrhundert aufkam und 
"Ü Ouäsime le Roy, ätudes sur les mystäres. Paris 1837. Wachsmuth, 
Sittenäeßßh- IV, 215. Das fünfzehnte und sechszehnte Jahrhundert konnte noch 
mehr Vertragen; wir wissen von Aufführungen in Valenciennes und Bourges, 
welche Q5, ja Sogar 40 Tage währten. Vgl. Girodot, Je drame au XVI. siäcle 
in Didron Annales archäologiques, XIII, 16 ff. 
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