Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953470
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Erste 
Regungen 
des 
gothischen 
Styls. 
beiden ausser lsle de Franee noch die Bisthümer Chartres, 
Orleans und Auxerre, die letzte die Provinzen Picardie und 
Champagne enthaltend. Gerade in diesen beiden östlichsten 
Provinzen von Nordfrankreich, wo sich burgundisehe und 
normannische Einflüsse mit belgiseh-germanischen kreuzen, 
finden wir eine Zahl von Kirchen, Welche nach den histo- 
rischen Nachrichten älter zu sein scheinen, als die freilich 
bedeutenderen Bauten der inneren Gegenden, deren Formen 
die Annahme gestatten, dass hier die ersten Schritte auf 
der neuen Bahn gemacht Wurden, und die wir daher als Bei- 
spiele für die erste vorbereitende Entwickelung des 
gothischen Styles betrachten können. Es sind dies die Ka- 
thedrale von Noyon und die Abteikirche St. Germer, beide 
in der Picardie, und die Kirchen St. Remy in Rheims und 
Notre Dame in Chälons-sur-Marne, beide in der Cham- 
pagne. Diese Kirchen haben sämmtlich den Chorumgang 
und einen Kranz von halbkreisförmigen Kapellen, (huchweg 
spitze Scheidbögen, aber noch mehr oder weniger rund- 
bogige Fenster, im Inneren meistens den Wechsel von 
Pfeilern mld Säulen, endlich die gemeinsame Eigenthüm- 
lichkeit, dass über der Gallerie und unter den Oberlichtern 
noch ein Triforium hinläuft, also das Motiv der Gallerie 
gevvissermaassen verdoppelt ist. 
Die älteste dieser Kirchen, die Kathedrale von Noyon, 
ist zunächst dadurch merkwürdig, dass ihre Kreuzarme in 
halbkreisförmiger Gestalt angelegt sind. In der That ist 
diese Form, die wir am Rheine am frühesten und häufig- 
sten finden, wenn auch nicht unmittelbar von dort, so doch 
von Osten hiehcr gelangt. Die Kreuzconehen von Noyon- 
zeigen nämlich die genaueste Uebereinstimmung mit denen 
an der Kathedrale von Tournay, jedoch in mehr entwi- 
ckelten, weniger primitiven Formen, so dass wir eine 
Herleitung von dort vermuthen können. Diese Vermllthung
        

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