Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953440
Erfindung 
des 
Strebesystems. 
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gewinnen. Hiedurch ergab sich dann aber weiter, dass 
die Oberlichter erst oberhalb der Stelle angebracht werden 
konnten, wo sich das Pultdach der Gallerien anlegte, und 
dass also die Wölbung der Gallerie nicht die Punkte erreichte, 
Welche gegen den Seitenschub der Kreuzgewölbe gesichert 
werden mussten. Man bedurfte vielmehr zu diesem Zwecke 
einer anderen Hülfe, Welche man endlich durch die Anlage 
von Strebepfeilern und Strebebögen erlangte. So künstlich 
dies System erscheinen mag, ergab es sich doch aus der 
bisherigen Praxis und den vorgenommenen Aenderungen 
fast von selbst. Strebepfeiler waren aus römischen Bauten 
bekannt und als ein natürliches Mittel gefährdeter Mauern 
schon- sonst angewendet; die romanischen Lisenen, welche, 
namentlich in der Normandie, schon eine ziemliche Stärke 
erhalten hatten, gaben das Vorbild für ihre regelmässige 
Anlage. Auf die Erfindung der Strebebögen wurde man 
aber durch die halben Tonnengewölbe des südlichen Sy- 
stems sehr leicht geführt, da sie in der That schon wirk- 
liche, nur auf der ganzen Länge des Gebäudes durchge- 
führte Strebebögen waren, Welche man jetzt, da das Kreuz- 
gewölbe nur an seinen Ausgangspunkten eineriWiderlage 
bedurfte, und da man ohnehin über dem Dache der Gal- 
lerien nicht eine vollständige Ueberwölbung anbringen 
konnte, gleichsam brach und die entbehrlichen Theile fort-' 
liess. So naheliegend dies scheint, bedurfte die Erfindung 
aber doch immer eines glücklichen Gedankens, der sich 
bekanntlich nicht so leicht einstellt, und überdies lagen 
ztvischcn dem Gedanken und der vollkommenen Ausfüh- 
rung noch viele zu überwindende Schivierigkeiten; Es 
kam darauf an, die nöthige Stärke der Strebepfeiler und 
Strebebögen und die richtige Stelle zu finden, an welcher 
sie die YVand des Oberschilfes berühren mussten, um dem 
Seitendruck in wirksamer Weise zu begegnen. Wenn das 
V. Ü
        

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