Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960794
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Metallarbeit. 
für diese Zwecke Motive von grosser Schönheit; die volle, 
der Kreis- oder Kugelform sich annähernde Rundung eig- 
nete sich für die Bestimmung solcher Gefässe besser als 
die gebrochene Linie und die schlanke Haltung des go- 
thischen Styles; die ganze, unvergleichliche Ornamentik, 
der kräftige Schwung der Rankengewinde, die reiche 
Mannigfaltigkeit linearer Durchschneidungen stand damit in 
innigster Verbindung und War mit dem consequenten und 
einseitigen Gesetze verticaler Formbildung nicht wohl zu 
vereinigen. Es War daher begreiflich, dass die Künstler 
sich sträubten, diese Vortheile einer Architektur zu opfern, 
welche an dieser Stelle durch keine statischen Gründe ge- 
rechtfertigt war. 
Unter den Arbeiten der Goldschmiedekunst nehmen 
die grosserl Reliquienschreirle, welche die Ueberreste 
des Schutzpatrons der Kirche oder eines besonders ge- 
feierten Heiligen bewahren, die erste Stelle ein. Statt der 
hölzernen oder steinernen Särge, deren man sich früher zu 
diesem Zwecke bedient hatte, begann man in dieser Epoche 
Behältnisse von vergoldetem Silber oder Kupfer anzufer- 
tigen, die dann nicht mehr die Gestalt eines Sarges, son- 
dern mehr die eines kleinen kirchlichen Gebäudes mit 
schrägem Dache, gewöhnlich einfach rechteckig, zuweilen 
auch kreuzförmig  erhielten. Ihre Anordnung ist sehr 
ganz ähnlich der aus Kloster Weingarten, jetzt im Dome zu Regens- 
burg, welcher mit getriebener Arbeit reich verziert ist und auf dem 
sich der Verfertiger Magister Conradus de Husa. nennt (Aginc. sculpt. 
Taf. 29, Nro. 28), jener eine Arbeit des 12., dieser des 13. Jahrhdts. 
Ü So der unten näher erwähnte Schrein zu Evreux. Der rich- 
tige Takt der Künstler dieser Epoche hielt sie indessen von näherer 
Nachahmung der Architektur ab; erst im 15. Jahrh. bildete man solche 
Schreine völlig in Kirchengestalt, mit Qberlichtern, der Rose auf der 
Faqade und einem Thürmchen auf dem Daehe. S0 war namentlich der 
Schrein des Heiligen in St. Germain-des-Pres in Paris vom J. 1408. 
Vgl. Violet-le-Duc, Dictionnaire du mobilier, Vol. I, p. 73.
        

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