Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960784
Taufbecken 
ZU 
Würzburg. 
799 
becken im Dome zu Würzburg, dessen Inschriften den 
Namen des Verfertigers, Meisters Eckart von Worms, 
und das Jahr der Vollendung 1279 angeben de). Die Ar- 
chitektur ist hier schon ganz gothisch; Strebepfeiler mit 
Wasserschlägen, 'l'abernakeln und Fialen trennen, gothisch 
verzierte Bedachungeil überdecken die acht bildlichen Dar- 
stellungen, welche ohne alle symbolische Gliederung das 
Leben Christi darstellen, Verkündigung, Geburt, Taufe, 
Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt, Ausgiessung des 
heiligen Geistes und das Weltgericht, dies jedoch nur in 
Wenigen Gestalten. Meister Eckart War kein grosser 
Künstler; die Arbeit ist durchaus roh, die Anordnung ohne 
Stylgefühl, der Ausdruck der kurzen, kaum fünf Kopf- 
längen haltenden Gestalten unbedeutend; nur an einigen 
naiven Zügen und an einem, aber selten gelungenen Streben 
nach Weichheit der Formen ist ein Einfluss des neuen 
Styles zu spüren. Das Ganze besteht ungeachtet seines 
geringen Umfanges nicht aus einem Stücke, vielmehr sind 
die Strebepfeiler, die Spitzbögen und die Bildtafeln einzeln 
gegossen und zusammcngelöthet, was allerdings durch die 
schwer-fällig behandelte gothische Architektonik erleichtert 
wurde. 
Im Allgemeinen unterwarfen sich die Metallarbeiter dem 
Einflüsse des gothischen Styles nur sehr zögernd. Noch 
längere Zeit, nachdem er in der Baukunst zur Herrschaft 
gelangt war, behielten die Kelche, Schüsseln und andere 
Kirchengeräthe die volle romanische Form und die herge- 
brachten Ornamente w). Der romanische Styl gab gerade 
r) Becker und v. Hefner, Kunstwerke und Geräthschaften des 
Mittelalters, Taf. 19; die Jahreszahl 1289 beim Abdrucke der In- 
schrift ist irrig. 
w] Ausgezeichnet schöner Form ist der früher der Kathedrale 
zu Rheims angehörige, jetzt in der kaiserlichen Bibliothek zu Paris 
bewahrte Kelch des h. Remigius (Annal. arch. II, 363), und noch
        

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