Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960733
794 
Metallarbeit. 
schliessen, dass dabei zwei verschiedene Meister thätig 
waren. Bei den Scenen aus der Lebensgeschichte des Er- 
lösers ist die Aulfassung naiv und dramatisch; bei der 
Kreuzigung sind Sol und Luna, Maria und Johannes in 
gewohnter Weise, neben diesen aber ziemlich natürlich 
behandelte Bäume dargestellt; bei der Geburt wendet sich 
das Kind nach der Mutter,_ spricht Joseph mit aufgeho- 
bener Hand, und scheinen selbst Ochs und Esel mit einigem 
Gefühl von der Bedeutung des Momentes auf das Kind zu 
blicken. Der Erdboden ist stets durch halbkreisförmige 
Schollen, jede mit einer Blume, angedeutet. Die Köpfe 
sind mehr viereckig als oval, die Füsse sehr gross. Da- 
gegen ist die Haltung und die Körperbildnng an den En- 
geln der Seligsprechung grossartiger und mehr im typi- 
schen Style, mit reinerem Oval des Gesichtes, wohlgere- 
gelten, symmetrischen Locken, kleinen und eleganten Füssen 
und besonders mit sehr edlen Gewandmotiven, welche die 
Formen des Körpers wohl erkennen lassen; die Neben- 
iiguren erinnern sogar an die Zeichnung in byzantinisirenden 
Miniaturen. Wir sehen also nicht bloss zwei Meister von 
verschiedener Begabung, sondern zwei verschiedene Rich- 
tungen nebeneinander. Der Meister der evangelischen Ge- 
schichten ist von dem Naturalismus berührt, der sich be- 
sonders in der Miniaturmalerei geltend machte; der andere 
thcilt dagegen die Tendenz des strengeren Stylcs, der sich 
damals in der Plastik ausbildete. Ihr Zusammentreffen 
zeigt recht deutlich den Einfluss, den beide Künste, Ma- 
lerei und Sculptur, auf die VVerkstätten der Metallarbeiter 
hatten. Die Architektur ist übrigens durchweg rundbogig, 
und auch die Verzierungen an der Einrahmung und an der! 
Balken der Bodenstücke, sowie an den Bandstreifen, welche 
nebst der Inschrift um den Reifen des Leuchters herum- 
laufen, haben noch durchweg romanischen Styl. Sie be-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.