Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-953408
Fagade 
der 
Kathedrale 
V01] 
Chartres. 
61 
selbst von der Kirche von St. Denis ab, dass ihre drei 
Portale nicht in je eines der drei Schiffe führen, sondern 
eng aneinander gerückt die Breite des Mittelsehiffes ein- 
nehmen. Augenscheinlich entstand dies hier dadurch, dass 
man die beabsichtigten mächtigen 'l'hürn1e durchweg auf 
solide Blauer-n stützen und diese nicht durch einen Portal- 
bau 
sclnvächen 
Wollte , 
wodurch 
m an 
denn 
als 
Vorhalle 
und Zugang des Schiffes nur den der Mittelschilfbreite 
entsprechenden Raum zwischen den 'l'hürmen behielt, dem 
man nun, wegen seiner bedeutenden Breite und grösserer 
Pracht halber, drei Portale gab. Allein diese Anordnung, 
wenn man auch später von ihr abging, gab doch eine 
Anschauung der durch die Annäherung und Verbindung 
der Portale entstehenden günstigen Wirkung, und verau- 
lasste daher die späteren Meister, eine solche auch da zu 
erstreben, wo die Seitenportale unter den 'l'hürmen ange- 
bracht und von dem Mittelportale (turch die mächtigen 
Strebepfeiler des 'l'hurn1banes getrennt wurden. 
Die Anordnung und Eintheilung der Itacade war es 
indessen nicht, was die Baumeister im Anfange unserer 
Epoche am meisten beschäftigte; die christliche Architektur 
ging immer vorzüglich vom Inneren aus, und gerade in 
dieser Beziehung brachten die veränderten Verhältnisse neue 
Anforderungen hervor. In der vorigen Epoche waren die 
Klöster die hervorragenden Sitze der Bildung; ihre Bedürf- 
nisse und ihr Geist hatten daher auch überwiegenden Ein- 
[luss auf die Ausbildung der Architektur gehabt. Jetzt 
handelte es sich mehr um Kirchen für die angewachsene 
Bevölkerung der Städte, namentlich um Kathedralen, wel- 
che die VViirde des Bischofs, als des Vertreters der in der 
Hauptstadt einer Gegend concentrirten geistlichen Gewalt, 
erkennen lassen, und durch ihre Formen einer schon an 
feinere Sitte gewohnten Bevölkerung zusagen sollten. Man
        

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