Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960689
Der 
Leuchter 
VOll 
Aachen. 
789 
in Komburg, zwei im Dome zu Hildesheim, alle schon 
aus der vorigen Epoche, und endlich den zu Aachen. Die 
Anordnung der älteren Kronen in Komburg und Hildesheim 
ist sehr einfach; sie bestehen aus einem kreisförmigen 
Reifen, der mit zwölf Thürmchen (den zwölf Thoren der 
Apokalypse XXI, v. 12) besetzt ist, in denen kleine 
Statuen von Propheten, Aposteln und Engeln Platz fanden. 
Künstlicher war schon die Anordnung des Kronleuchters 
von Rheims; hier bildeten nämlich die zwölf Bögen zwi- 
schen den Thürmchen nicht einen einfachen Kreis, sondern 
den Umriss einer zwölfblätterigcn Rose, indem sie zwölf 
über die Peripherie jenes grösseren Kreises hinausgreifen- 
den kleineren Kreisen angehörten, welche so angeordnet 
Waren, dass bei vollständiger Ausführung je zwei Kreise 
in der Mitte des zwischen ihnen gelegenen dritten einander 
tangirten. Dass man die Rose im Mittelalter als ein Symbol 
des himmlischen Jerusalems betrachtete, ergiebt schon die 
Rede Innocenz III. bei der Weihe der goldenen Rose am 
Sonntage Laetare, wie denn auch Dante in seinem Para- 
diese die Versammlung der Heiligen in Gestalt einer Rose 
schauete. Noch künstlicher ist die Anordnung des Leuch- 
ters in Aachen. Hier ist nämlich die Zahl acht an die 
Stelle der Zahl zwölf getreten, die Rose besteht nicht aus 
zwölf, sondern nur aus acht Kreisbögen, die Zahl der 
Thürmcheu steigt dagegen auf sechszehn, welche sich theils 
an den Endpunkten, tlieils an den Scheitelpunkten der Bögen 
befinden. Die begleitenden Verse sagen ausdrücklich, dass 
hierbei die achteckige Gestalt des Münsters maassgebend 
gewesen sei i], sie erwähnen aber noch ausführlicher, dass 
ß) Ad teinpli normam sua sumant munia formam 
Istius octogene donum regale corone 
 Rex pius ipse et pie vevit solvitque Marie. 
S. die ganze Inschrift bei Cahier a. a. O. und bei Nolten, Archäolo- 
gische Beschreibung der Münsterkirche zu Aachen, 1818.
        

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