Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960574
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Die 
Plastik 
in 
England. 
der Engel darstellen. Er beginnt dabei am Ostende der 
südlichen Wand und giebt hier in der ersten 'l'ravee in 
dem grösseren Mittelfelmle eine bekleidete und bärtige Ge- 
stalt mit der Krone auf dem Haupte, gellügelt, die Füsse 
auf VVolken, in der Linken eine Leier. Man hat sie für 
David gehalten und daraus den Schluss gezogen, dass die 
Reihenfolge der Pafriarchen und Propheten durch Engel 
repräsentirt sei k]. Ich glaube, dass der Gedanke ein viel 
kühnerer war und diese Gestalt nicht Geringeres als Gott 
den Vater im Augenblicke der Schöpfung (larstellf, der 
alles, wie das Buch der lVeisheit sagt, nmensura, numero 
et pondere" maassvoll, nach dem 'l'akte himmlischer Me- 
lodien bildet. Ihm zur Seite und in den beiden nächsten Tra- 
veen erscheinen die Engel, die ebenfalls auf Wolken ruhen 
und theils mit Schriftrollen, theils mit Pauken und Posaunen 
versehen sind; das Schöpfungswerk wird also noch fortge- 
setzt und die Engel führen die Befehle des Herrn aus oder 
feiern die Schönheit seiner WVerke. In der darauf folgenden 
vierten Abtheilung sehen wir in der Mitte einen kräftigen, 
jugendlichen Engel, der einen noch gefesselten Falken hält, 
neben ihm andere Engel mit; Schriftrollen, unter ihren 
Füssen aber nicht mehr Wolken, sondern Menschen oder 
Ungeheuer mit Menschenköpleit; die Zeit des Gesetzes und 
der Sünde sind hier eingetreten und die Engel haben die 
Aufgabe, den begehrlichen Willen zu zügeln und die Sünde 
zu überwinden. Im folgenden fünften Felde hält; ein be- 
geisterter Engel ein Buch, ein zweiter reicht mit beiden 
Händen eine Kindesgestalt dar und zwar der im letzten 
a) S0 Cockerell in seinem geistrcichen, in den Memoirs illustra- 
tive of the hist. und antiqnities of the connty and city of Lincoln, 
London 1859, und in beionrlcrem Abdrucke erschienenen, von vor- 
trefflichen Abbildungen bcgh-itetexi Aufsafze. Die Erklärung, welche 
ich zu geben versuche, scheint mir, obwohl zweifelhaft, doch einfacher 
und wahrscheinlicher.
        

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