Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960490
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Die 
Plastik 
in 
England. 
seines jungen Sohnes, Heinrich's III., stattfand 9c). Es 
ist von ziemlich derbem Meissel ausgeführt, aber nicht 
ohne Stylgefühl; die Züge des Gesichtes fast rechtwinklig, 
Haar und Bart geradlinig, die Gewandfalten parallel und 
gerade, tief eingeschnitten mit breiter Oberfläche, die ganze 
Erscheinung massig, schwer, jenes Bestreben nach Ruhe 
und Würde, das in der französischen Kunst herrschte, fast 
über-treibend, dabei aber doch schon in der Bildung des 
Gesichtes individuell und portraitartig. Es ist nicht un- 
wahrscheinlich, dass der Künstler selbst ein Franzose 
war w). Verwandten Styles , aber mit weiterer Entwicke- 
lung brittischer Auflassung, ist der Grabstein desWilliani 
Longespee (1- 1227) in der Kathedrale zu Salisbury. Der 
Körper ist mit dem (wie die noch erkennbaren Farben- 
spuren ergeben goldenen) Kettenpanzer und mit kurzem 
Obergewande bekleidet, dessen Falten wie dort tief, aber 
nicht mehr geradlinig und parallel, sondern bewegt gehalten 
sind. Die Beine liegen geradlinig und das Gesicht ist 
durch den Panzer so weit bedeckt, dass nur Nase und 
Augen zu sehen sind, aber der Kopf ist zur Seite ge- 
wendet, die Augen sind offen, die Arme in freier und 
natürlicher Haltung, so dass das ganze Bild mehr den 
Eindruck eines zur That Gerüsteten, als eines Sterbenden 
macht. Noch bewegter ist die Gestalt eines Ritters in der 
Templerkirche zu London, die man für die des noch im 
zwölften Jahrhundert verstorbenen Geoffrey de Magnavilla, 
4') Die Angabe in Winkles Cathedrals, dass das Grab aus dem 
fünfzehnten Jahrhundert stamme, ist nur in Beziehung auf den unteren 
Theil richtig, während der Stein mit dem Bilde älter ist. 
 Das Denkmal König Richards Löwenherz in der Kathedrale 
von Rouen, wo sein Herz bestattet war, wahrscheinlich 11m 1207 gear- 
beitet und erst neuerlich (1838) wieder entdeckt, hat grosse stylistisßhß 
Aehnlichkeil: mit dem im Texte erwähnten seines Bruders. Alb. WS-Y 
in der Archaeol. brit. XXIX, 202, mit Abbildung.
        

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