Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960437
764 
Deutsche 
Plastik. 
Holland zur Seite gestellt, und zwar so dass sie in klei- 
nerer Dimension und auf Fussgestellen stehend der grösseren 
Gestalt des Erzbischofs, der ihnen die Kronen aufsetzt, 
bis an die Schulter reichen. Dies giebt allerdings unbe- 
queme Bewegungen und ist nicht ganz geglückt, aber die 
Haltung der beiden jugendlichen Fürsten ist anmuthig und 
ritterlich, die Gewandbehandlung einfach lllld leicht, und der 
Zweck des Künstlers, seinen Helden in der Fülle seiner 
Macht zu zeigen, möglichst erreicht. In den meisten Fällen 
dagegen hielt man zwar die gerade, ruhige Lage des 
Körpers für angemessen, suchte nun aber wenigstens durch 
die Gewandung Leben und Mannigfaltigkeit zu erreichen. 
Statt in geraden, schweren Falten die Glieder zu verhüllen, 
ist nämlich das Gewand wie ein leichter Stoff behandelt, 
der den Bau des Körpers durchscheinen lässt und auf der 
Fläche des Steines unruhige und fast flatternd bewegte 
Falten bildet. Auch das Haar fällt leicht und bewegt in 
langen Locken, und das Gesicht hat oft eine lächelnde 
Miene. Beispiele dieser Behandlungsweise sind ausser den 
schon oben genannten Gräbern des Grafen Dedo in Wech- 
selburg und eines Ritters im Dome zu Merseburg, das 
Grab des Grafen Conrad genannt Kurzbold in der Stifts- 
kirche zu Limburg an der Lahn, wo die Falten bis zum 
Unschönen sich fast wurmartig krümmen, das sehr viel 
schönere des Grafen Heinrich von Solms-Braunfels  nach 
1258) im Kloster Altenberg an der Lahn ü), und das des 
Grafen Otto von Botenlauben  1244) und seiner Ge- 
mahlin  1250) in der Kirche von Frauenrode bei Kis- 
singen   
Man hat in dieser Behandlungsweise schon den Anfang 
zu der im vierzehnten Jahrhundert herrschenden Neigung 
Müller a. a. 
r, Trachten 
Beide bei 
v. Ilcfhe] 
39 und II, S. 27. 
I, Taf. 59 und 60.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.