Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960416
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Deutsche 
Plastik. 
gearbeitet und 
bedeutend. 
VOll 
zartem 
Ausdrucke der Gesichter, minder 
S0 sehen wir also den neuen Styl in den entlegensten 
Gegenden Deutschlands, am Rheine, in Franken, in Sach- 
sen angewendet, aber immer doch nur vereinzelt und spar- 
sam, nicht mit der Energie und Fruchtbarkeit wie in Frank- 
reich. Sehon dies lässt darauf schliessen, noch deutlicher 
ergieht es sich aber aus gewissen feineren Ziigen, dass 
dieser Styl hier noch nicht so einheimisch und beliebt war, 
wie dort. Er hing so innig mit der gothischen Architek- 
tur zusammen, entsprach dem allgemeinen Zeitgeiste so 
sehr, dass man ihm die Aufnahme nicht versagen konnte, 
aber er befriedigte nicht völlig. Er setzte eine tactvolle 
Ausgleichung der naturalistischen und poetischen Anforde- 
rungen mit dem Stylistischen, eine Unterordnung des indi- 
viduellen Gefühls unter die allgemeine Regel voraus, die 
dem deutschen Geiste nicht natürlich war. Daher erklärt 
sich, dass wir an manchen deutschen Sculpturen Spuren 
des Widerstrebens gegen die Gleichförmigkeit jenes Styls 
und des Bemühens nach grösserer Individualität und Natur- 
Wahrheit bemerken. Hauptsächlich finden wir dies an Grab- 
steinen. Die französische Kunst bewegte sich hier in 
einem engen Kreise, aber mit Geschmack und Anstand; 
sie hielt die Gestalten der Verstorbenen in gerader Lage 
und gab der Gewandbehandlung durch breite, geradlinige 
Falten den entsprechenden Ausdruck des Ernstes und der 
Ruhe. Auch in Deutschland kannte und verstand man dies 
Princip sehr wohl, und wir besitzen eine Reihe von Grab- 
mälern aus dieser Epoche, in denen es strenge beobachtet, 
einige wo es mit grosser Meisterschaft durchgeführt ist. 
So unter anderen das Denkmal Heinrichs des Löwen und 
seiner Gemahlin im Dome zu Braunschweig, die Grab- 
Steine des Landgraferl Conrad  1243) in der Elisabeth-
        

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