Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Entstehung und Ausbildung des gothischen Styls
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-952410
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-960392
760 
Deutsche 
Plastik. 
tektonischer Beziehung Züge des älteren und des neueren 
Styls gemischt enthält. Die Statue der Jungfrau am Mittel- 
pfeiler in einfacher, gerader Haltung und Gewandung und 
die naive, spielende Bewegung des Kindes auf ihrem Arme 
gehören schon diesem an, während die Apostel an den 
Seitenwänden mit flachen Gewandfalten und gelocktem 
Haare und endlich die grottesken Figuren im Laubwerk 
der Kapitäle noch auf romanischen Reminiscenzen beruhen. 
Dennoch wird man bei dem langsamen Gange der west- 
phälischen Kunstentwickelung die Arbeit nicht früher als 
um 1260 setzen können, gleichzeitig mit dem schon ganz 
gothisch gehaltenen, aber ziemlich roh ausgeführten Süd- 
portale an der Sebaldusküche zu Nürnberg, Welches im 
Bogenfelde eine Darstellung des jüngsten Gerichts, ähnlich 
wie an der goldenen Pforte zu Bamberg, enthält. Bedeu- 
tender, aber auch gewiss erst am Schlusse des Jahrhun- 
derts ausgeführt, ist das Portal der Lorenzkirche da- 
selbst, welches in seinem hohen Bogenfelde ausser dem 
jüngsten Gericht die Kreuzigung nebst evangelischen Ge- 
schichten in sehr klarer Anordnung, in den Archivolten 
Engel und Patriarchen, an den Thürgeivänden grössere 
Statuen edlen und reinen Styls enthält. Noch umfang- 
reichere Werke finden wir-dann erst in den Rheingegen- 
den, in der Vorhalle des Freiburger und an der Fagaile 
des Strassburg er Münsters, deren Inhalt ich schon früher 
als Beispiele der Raumsymbolik beschrieben habe  Die 
Ausführung gehört in beiden derselben Schule an, und 
gleicht in Leichtigkeit und Freiheit der Behandlung den 
französischen Sculptln-exi. Die Facade des Strassburger 
ü) Band IV, Abth. I, S. 401 und 408. Es ist nur eine schein- 
bare Ixxconsequenz, wenn ich die Faeade von Strassburg in architek- 
tonischer Beziehung erst in der folgenden Epoche, die Statuen aber 
schon hier bespreche.
        

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